Die Bildungssituation in Afrika ist mehr als problematisch. Vor allem in ländlichen Gebieten und/oder Krisengebieten gibt es so gut wie keine schulische Infrastruktur. Wenn es eine erreichbare Schule gibt, sind oft unterbezahlte Lehrer für große Gruppen verantwortlich. Es bleibt keine Zeit für individuelle Betreuung und Nachhilfe, Förderaktionen gibt es kaum. Die Konsequenz: niedriger Bildungstand – keine Perspektiven – Armut.

Doch dank digitaler Lernmethoden könnte nun die Bildungsmisere in Afrika behoben werden. Der Markt für Startup-Firmen, die Plattformen für E-learning entwickeln und somit eine Alternative zu konventionellen Lernmethoden bieten, boomt gewaltig.

Die Idee hinter digitalem Lernen ist Bildung und Weiterbildung für jeden möglich und verfügbar zu machen – vor allem raum- und zeitunabhängig. Und das auf Englisch, Französisch, Arabisch und mehreren afrikanischen Sprachen. Die meisten Plattformen können schon gegen eine geringe Gebühr benutzt werden, sämtliche Transportkosten, benötigte Bücher und Schuluniformen fallen weg. Man braucht dafür lediglich einen PC, ein Notebook oder ein Smartphone mit Internetzugang. Das erfolgreiche senegalesische Unternehmen „Afriboard education“ wurde zum Beispiel so entwickelt, dass man nur die Anmeldung online vornehmen muss,das Lernen geht ganz ohne Internet. So ist es an die schlechten WLAN-Verhältnisse in Afrika angepasst.

Einmal angemeldet, findet man beim E-Learning Lernforen, Videos, Songs, Übungen und Tests in guter Qualität, die von ausgebildeten Experten zusammengestellt wurden. Jedes Startup hat sich natürlich auf eigene Methoden fokussiert. „Ubongo“, in Tansania sehr bekannt, konzentriert sich auf spielerisches Lernen für Jüngere. „Fidel“ bietet Schulmaterial für Teenager in Äthiopien an und „M-shule“ ist ein Programm für die Alphabetisierung der Bevölkerung in der Subsahara und Kenia. So kann jeder eigenständig in seiner Geschwindigkeit und auf seinem Niveau lernen.

Doch nicht nur Kinder und Jugendliche können sich digital bilden: Auch Weiterbildungen für Afrikaner, die bereits eine  Profession ausüben, sind möglich u.a. in den Bereichen Landwirtschaft, Technik und Pädagogik. Ziel ist es, unterversorgte Länder wie Tschad, den Sudan und Zentralafrika noch besser zu vernetzen, eine gute Stromversorgung zu sichern und die Lehrer vor Ort mit digitalen Unterrichtsmethoden vertraut zu machen.

Die Vorteile: weniger Kosten, individuelles Lernen und Flexibilität 

Es wurde auch schon eine internationale Konferenz zu E-Learning ins Leben gerufen, die einmal im Jahr in Afrika stattfindet – mittlerweile nehmen über 230 Firmen teil. Natürlich steigt die Nachfrage auch gerade jetzt, wo aufgrund der aktuellen Covid-19 Situation alle Einrichtungen geschlossen bleiben müssen und Isolation angesagt ist.

So werden Smartphones, die eigentlich eher den Ruf der Ablenkung von Schule und Hausaufgaben hatten, nun zur Möglichkeit, Bildung überall und jederzeit zugänglich zu machen.