Trotz der düsteren Prognosen für den afrikanischen Kontinent hat Afrika bisher die Corona-Krise verhältnismäßig gut gemeistert. Dies machen aktuelle Fall- und Todeszahlen aufgrund des Corona-Virus deutlich.

Der afrikanische Kontinent erfasst nun knapp 860.000 Covid-19-Fälle, wobei mehr als die Hälfte der Fälle in Südafrika anzusiedeln sind. Südafrika hat es also derzeit mit 470.000 bekannten Fällen in Afrika am härtesten getroffen. 7.300 Todesfälle sind dort verzeichnet worden. Das mitteleuropäische Deutschland vermerkt im Vergleich 209.000 bestätigte Corona-Infektionen und 9.200 Todesfälle. In Südafrika sind also mehr als doppelt so viele Infektionen bekannt und trotzdem gibt es weniger Verstorbene. Überhaupt charakteristisch für die Pandemie in Südafrika und auch für andere Länder in Afrika ist die geringe Sterblichkeit im Verhältnis zu den Infektionen. In den meisten anderen Staaten scheint die Lage mit Blick auf die Zahl der offiziell vermeldeten Neuansteckungen auch relativ stabil.

 

Doch warum sind die Fall- und Todeszahlen des neuartigen Virus in Afrika, im Gegensatz zu Europa, eigentlich so gering? Hier sind Antworten auf diese Frage:

 

  1. Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie

Die meisten afrikanischen Staaten haben schon Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus Anfang März ergriffen, bevor das Virus überhaupt in den einzelnen Staaten angekommen ist. Die Grenzen wurden schnell geschlossen, es gibt immer noch kaum Luftverkehr.

Musterbeispiel ist das kleine Land Ruanda im ostafrikanischen Binnenland. Mitte März fing die Polizei an, Straßensperren zu errichten, Polizisten patrouillieren rund um die Uhr. Wer keinen triftigen Grund hatte auf den Straßen unterwegs zu sein, musste eine Strafe zahlen.  Alle ankommenden Reisenden wurden sofort in eine zweiwöchige Quarantäne in leerstehende Hotels gesteckt. Schulen und Kirchen wurden geschlossen, Konferenzen abgesagt. Polizisten holten diejenigen ab, die verdächtige Symptome aufwiesen und führten Tests durch. Auch Länder mit weniger Möglichkeiten haben aufgestockt. In Uganda gab es beispielsweise vor der Corona-Krise für 43 Millionen Menschen gerade einmal 55 Intensivbetten und 75 Beatmungsgeräte. Staatskrankenhäuser rüsten nun aber immer weiter auf: Schon im März standen 1.000 Betten mehr mit Atemmasken bereit.

Als in Europa und Amerika das Virus schon stark wütete, war die Ausbreitung der Infektion in den afrikanischen Ländern überschaubar. Um sich auf eine weitere Ausbreitung des Virus vorzubereiten und aus Sorge, bald selbst Opfer der Infektion zu werden, nutzten die afrikanischen Staaten die „ruhigen“ Monate: Betten wurden eingerichtet, Beatmungsgeräte angeschafft, mobile Warnsysteme ausgebaut, die Bevölkerung über Symptome und Gefahren des Corona-Virus aufgeklärt und strenge Maßnahmen verhängt.

Maßnahmen, die zu Beginn der Corona-Krise bestimmt wurden, können in den wenigsten Ländern Afrikas heute noch eingehalten werden. Denn die Schattenseite eines Lockdowns ist die, dass sie nur dort funktioniert, wo es sich die Menschen leisten können, zu Hause zu bleiben. Doch in den meisten Teilen Afrikas kann der Staat die wirtschaftlichen Folgen der Krise nur schwer auffangen: Der Tourismus bleibt aus, die Industrie fährt ihre Leistungen herunter. Daraufhin werden Nahrungsmittel durch die wenigen Produzenten teuer, so dass sich vor allem Menschen, die coronabedingt nicht zur Arbeit gehen können, sich das Essen nicht mehr leisten können. Unter bestimmten Umständen kann diese wirtschaftliche Schwäche zu einer Hungersnot führen.

 

  1. Afrikas Erfahrung in der Seuchenbekämpfung

Den afrikanischen Ländern kommt in der Corona-Zeit die Erfahrung zu Gute, die sie in den zurückliegenden Jahren im Kampf gegen hochinfektiöse Krankheiten sammeln konnten – das haben sie Europa oder Nordamerika deutlich voraus. Denn der afrikanische Kontinent hat gelernt: Der Kampf gegen Ebola in Westafrika sowie die Ausbreitung von HIV waren relativ erfolgreich. Auch durch die Lungenkrankheit Tuberkulose erkennen viele der Bevölkerung das Abstandhalten und andere Regeln als keine neuen Konzepte an. Auf diese Strukturen, die zur Eindämmung der Ausbrüche zum Einsatz kamen, können die afrikanischen Staaten nun zurückgreifen. In vielen Teilen des Kontinents gibt es Überwachungssysteme für Infektionskrankheiten, wie auch große Laborkapazitäten und erfahrenes Personal. Ein ebenfalls wichtiger Baustein zur Bekämpfung sind die Community Health Worker. Die Gesundheitsbeauftragten der einzelnen Gemeinden bieten lokal einfache Gesundheitsleistungen an: Sie überweisen Patienten an Kliniken und leisten gesundheitliche Aufklärung.

 

  1. Die junge Bevölkerung

Mit einem Durchschnittsalter von ca. 19,5 Jahren ist die Bevölkerung des afrikanischen Kontinents weit jünger als in den USA (ca. 38 Jahre) oder in Europa (ca. 43 Jahre). Das heißt mehr als 60 Prozent aller Afrikaner und Afrikanerinnen sind jünger als 25 Jahre und gehören somit nicht zur Risikogruppe, die nur Leute miteinschließt, die über 50 Jahre alt sind oder bestimmte Vorerkrankungen haben.  Ein weiterer möglicher Grund- weshalb afrikanische Bürger weniger anfällig für Covid-19 sind.

 

  1. Die schleichende Globalisierung

Obwohl die Globalisierung auf dem afrikanischen Kontinent ebenfalls stark zu spüren ist, sind die größten Teile Afrikas weit weniger in den internationalen Luftverkehr bzw. in die weltweiten Verkehrsströme eingebettet als Europa oder Nordamerika. Auch insgesamt ist der Großteil der afrikanischen Gesellschaft wenig mobil. Viele leben auf dem Land und bewegen sich nur kleinräumlich. Eine Folge: Es wird eine geringere Ausbreitung garantiert.

 

  1. Internationale Hilfen

Die Helfer vor Ort mögen wegen des hohen Infektionsschutz nun vor neuen Herausforderungen stehen, doch trotzdem läuft die Versorgung weiter – teilweise sogar noch intensiver als vor der Pandemie. Das Ziel ist selbstverständlich die Eindämmung der Pandemie. In Äthiopien wurden dazu beispielsweise Handwaschbecken an öffentlichen Plätzen gebaut. In Uganda wurde für die Flüchtlinge der Zugang zu Trinkwasser sichergestellt.

 

Die Gefahren der Corona-Krise für Afrika

Afrika verfügt also über ein gewisses Know-How und über die dementsprechenden Ressourcen. Trotzdem wird der Kampf gegen das Corona-Virus ein langwieriger sein, so die Meinung vieler Experten. Die Tatsache, dass bisher wenige Fälle aufgetreten sind, muss nicht das Ende der Corona-Krise bedeuten. Wie schlimm die Corona-Pandemie in Afrika letztendlich wirklich werden wird, darüber herrscht selbst bei Experten Uneinigkeit. Schließlich gibt es auch viele Faktoren, die den Kampf gegen COVID-19 behindern könnten.

Denn die wirtschaftliche Not Afrikas und die eingeschränkte Gesundheitsversorgung könnten sich als Brandbeschleuniger in der Krise herausstellen: Das ohnehin marode Gesundheitssystem in vielen afrikanischen Staaten könnte bei einer  Zunahme der Infektionen vollständig kollabieren. Durch den Mangel an medizinischer Ausrüstung kann die Behandlung der Infizierten und der Schutz gegen weitere Übertragungen nicht mehr gewährleistet werden.

Schwierig ist die Lage insbesondere für die Menschen, die in beengten Unterkünften leben. So ist es z.Bsp. unmöglich, in der Enge der Townships afrikanischer Großstädte das „social distancing“ einzuhalten. Auch die erforderlichen Hygienemaßnahmen, wie regelmäßiges Händewaschen, sind kaum umsetzbar.

Durch die oft mangelnden Testkapazitäten kann die tatsächliche Ausbreitung des Virus nicht bestimmt werden. Das heißt das volle Ausmaß der Pandemie in den afrikanischen Ländern kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkannt werden, da die Zahlen leider auch anders aussehen könnten.

 

Es bleibt zu hoffen, dass Afrika mit seinen Erfahrungswerten und Maßnahmen das Corona-Virus weiter einzudämmen weiß und die Infektionszahlen weiterhin niedrig bleiben.