Viele Leute träumen davon, ihr Hobby zum Beruf zu machen – doch nur wenige tun es auch wirklich. Eine davon ist Alexandra Tamele aus Berlin. Die 22-jährige Jungdesignerin hegt seit ihrer Kindheit eine große Leidenschaft für die Mode und ist drauf und dran, ein Shootingstar der hart umkämpften Berliner Fashionszene zu werden. In ihren Kollektionen liebt sie es eher sportlich. T-Shirts, Hosen oder Röcke stellt sie aus afrikanischen Stoffen her. Moderne Schnitte geben ihren chicen Kreationen einen zeitgemäßen und unverwechselbaren Touch. Im Interview spricht sie über die größten Hürden bei der Verwirklichung ihres Traums, die Highlights ihrer noch jungen Karriere und natürlich ihre Kollektion.

1. Berlin ist voll von Kreativen, die ein besonderes Produkt an den Mann und die Frau bringen möchten. Besonders im Bereich Mode passiert in der Hauptstadt einiges. Was hat dich dazu bewegt, dein eigenes Label zu gründen?

Mein unbändiger Wille zur Selbständigkeit und der Drang danach, Eigenes zu erschaffen haben mich im Jahr 2014 dazu bewegt, mein eigenes Label ALEXANDRA TAMELE zu gründen. Voraussetzung dafür war natürlich auch mein abgeschlossenes Modestudium auf der BEST-Sabel Design Schule in Berlin.

2. Wie wird man eigentlich Modedesignerin und was muss man dafür mitbringen?

Generell muss man dafür, glaube ich, schon von klein auf eine Passion in sich tragen. Ich wollte nie in meinem Leben etwas anderes machen. Mit dem nötigen Maß an Fleiß und Geduld kann man alles erreichen. Das habe ich auch während meines Studiums immer wieder beweisen müssen. Die Schwerpunkte darin waren u.a. Fertigung (nähen), Schnittkonstruktion, Mode- und Entwurfsgestaltung, Computer-Aided Design (kurz CAD) und BWL. Als Abschlussprojekt im Jahr 2012 durfte ich dann selbst eine komplette Kollektion erstellen, inkl. der Shootings, des Model-Fittings und allem, was noch dazu gehört.

3. Designerin – das ist immer noch für viele der Traumberuf schlechthin. Du gehörst noch zu den Einsteigern in der Branche. Wie erlebst du diesen Beruf, in dem es auch extrem stressig zugehen kann?

Mein Alltag sieht so aus, dass ich derzeit noch Vollzeit im Einzelhandel arbeiten gehe und mich entweder vor oder nach der Arbeit um mein Label kümmern kann. Das ist nicht immer einfach, alles unter einen Hut zu bringen, aber mit dem großen Ziel vor Augen geht das alles viel leichter. In meinem Urlaub fahre ich dann auf die ganzen Modemessen und Shows in Europa um meine Kollektionen zu präsentieren.

4. Dein Vater stammt ursprünglich aus Mosambik. Was verbindet dich heute mit dem Land und welche Rolle spielt dieser Hintergrund für deine Inspirationen?

Genau, mein Vater ist Mosambikaner. Ich fühle mich einfach sehr zu dem Land hingezogen und reise ein bis zweimal im Jahr dorthin. Am Ende ist es so, dass meine Mode ein Mix aus europäischen Schnitten und afrikanischen Stoffen ist. Wobei der Stoff immer nur einen kleinen Akzent ausmacht. Man erkennt nicht auf Anhieb aus welchem Land ich komme und so ist es in meinen Kollektionen auch.

5. Beschreibe den Stil deiner Mode in drei Worten.

Casual. Comfortable. Auffallend.

6. Wie man an deiner Kollektion sieht, legst du besonders großen Wert auf auffallende Stoffe, handgefertigte Details und hohe Qualität. Fertigst du alles selbst oder bekommst du Unterstützung bei deiner Arbeit? Sprichst du mit deiner Mode erfahrungsgemäß eher eine jüngere oder ältere Zielgruppe an?

Ich habe einen sehr guten Schneider der ursprünglich aus Senegal stammt. Er ist einfach klasse. Er gibt meiner Mode immer nochmal das gewisse Etwas mit seinen Nähten, denn Details sind immer wichtig. Das wichtigste dabei ist, sich vom Rest abzuheben. Meine Zielgruppe ist eher durchwachsen würde ich sagen. Mein Fokus liegt auf Leuten, die gerne bequem, sportlich und stylisch unterwegs sind. In Paris zum Beispiel sind sie total angetan.

7. Auf welche Highlights kannst du in deiner jungen Karriere zurückblicken?

Da gibt es einige. Direkt nach meiner Labelgründung im Jahr 2014 hatte ich eine Show auf der Black Fashion Week in Paris. Das war ein großartiges Erlebnis. Ein Jahr später hatte ich dann meine erste Show auf der Mercedes Benz Fashion Week und einen Artikel in der Brigitte, in der ich zu den Top 6 Jungdesignern gehörte. Aber eines der wohl schönsten Erlebnisse im vergangenen Jahr war eine Reise mit unserem Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Dabei haben wir Mosambik, Sambia, Uganda und Tansania besucht. Das werde ich wohl nie vergessen.

8. Nichtsdestotrotz gibt es mit Sicherheit Schattenseiten. Vor allem in der Modebranche, die doch als sehr oberflächlich verschrien wird, kämpfen Models und Designer unter tausenden Konkurrenten für Anerkennung und den großen Durchbruch, der manchmal auch leider nicht gelingt. Was sind für dich die härtesten Seiten an diesem Beruf?

Für mich ist das härteste nicht einmal der Konkurrenzkampf, sondern eher der Umstand, auf Einkäufer zu warten. Auch der ganze Einstieg in die Branche ist nicht einfach: Produktionsstätte finden, Order bekommen, Materialien auf Lager zu finden und so weiter. Das finde ich am schwersten.

9. Was hast du dir für das Jahr 2016 vorgenommen und was werden wir als nächstes von dir sehen?

Mein großes Ziel ist es, endlich einen Retailpartner zu finden, der mir meine Kollektion abkauft. Dann werde ich nach Südafrika gehen und dort auf der SA Menswear Fashion Week zeigen. Damit verbunden habe ich ansonsten natürlich den großen Wunsch, endlich nicht mehr nebenbei arbeiten gehen zu müssen.

Wir bleiben dran!

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