Hon. Kenneth Gbandi ist Geschäftsführer der HiBC (Heritage International Business Concept GmbH). Im Interview mit dem afrika! Portal berichtet er über seine Projekte, kulturelle Vielfalt und Integration in Deutschland.

1. Kenneth, Sie sind Chefredakteur des African Heritage Magazins und Geschäftsführer der HiBC (Heritage International Business Concept GmbH). Worum geht es bei dem Magazin und dem ganzen African Heritage Projekt?
HiBC ist ein afrikanisch-europäischer Medienservice, der sich auf Publikationen, Promotion, Multimedia und Consulting spezialisiert hat. AFRICAN HERITAGE Magazine erscheint als erste afro-europäische Lifestyle-Zeitschrift europaweit viermal im Jahr.
Deutschland hat sich in den vergangen Jahren zu einem multikulturellen Land entwickelt. Unser Ziel ist, den lebensbejahenden afrikanischen Lebensstil und die positive Energie Afrikas zu vermitteln und das afrikanische Image in der deutschen Bevölkerung positiv hervorzuheben. Wir wollen dieser ethnischen Minderheit mit African Heritage Magazine, Afrika Outlook TV und African Heritage on Radio die Chance geben, ihre Bereitschaft zur Integration zu beweisen und alle Bevölkerungsgruppen, sowohl Deutsche als auch Migranten, ermutigen, die Vielfalt als Bereicherung zu empfinden.

2. Welche Bedeutung hat das Magazin und die TV- und Radiosendung für die afrikanische Diaspora in Deutschland und ganz Europa?
Medien bilden Meinungen, dies ist allgemein bekannt. Man nehme den Vorfall, der sich in der Nacht zum 24.06.2015 in Hamburg/Jenfeld abgespielte, der für Aufsehen sorgte und auf den sich die Medien aus ganz Deutschland stürzten. Ein Vorfall, bei dem ein Mensch durch einen Schusswechsel mit einem, „Otto-Normalbürger“ in Deutschland ums Leben kam. Was ist geschehen? Wer war beteiligt? Warum ist es geschehen? Wie ist es geschehen?
So hätten die Fragen geklärt werden können, wenn es sich um eine reine Berichterstattung gehandelt hätte. Aber leider ist das nicht immer so, besonders, wenn es um Migranten geht. Das Magazin, die TV- und die Radiosendung haben das Ziel, solch einseitige Berichterstattung aufzuklären und positive afrikanische Storys durch AfrikanerInnen selbst zu erzählen.
Beim Heritage Media Network steht zwar auf ersten Blick die reine Informationsversorgung im Vordergrund, aber durch diese Medien bieten wir vor allem eine Plattform zur Präsentation und zum Austausch. Wir geben daher in Deutschland lebenden afro-europäischen Politikern, Geschäftsleuten, Sängern, Designern und Tänzern die Gelegenheit, in Print und digitalen Medien einem Publikum ihr Können zu präsentieren.

3. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich in Ihren Medienkanälen?
Es geht um alle gesellschaftlichen Fragen, insbesondere Integrationsangelegenheiten, aber auch um Geschäfte, Kulturen, Politik und Entertainment.

4. Sie veranstalten ja auch viele Events in Hamburg und ganz Deutschland. Welche Leute erreichen Sie hiermit und was können Sie mit diesen Events bewirken?

Unser erstes öffentliches Event war Miss Afrika 2005 mit über 1000 Besuchern und seitdem haben wir das Event fast jährlich in Hamburg, Berlin und Münster bis 2009, sowie seine Fortsetzung Miss Nigeria seit 2010 in Hamburg, mit 500 bis 800 Besuchern durchgeführt. Miss Afrika und Miss Nigeria Germany beinhalten spektakuläre Catwalks, kulturelle Darbietungen, afrikanische und nigerianische Fashion Shows und Vorführungen von talentierten afrikanischen und afro-europäischen Künstlern aus den verschiedensten Ländern. Zusätzlich zu unseren Musikfestivals und Award-Events haben wir afrikanische Fußballturniere veranstaltet, mit bis zu neun teilnehmenden afrikanischen Ländern, mehr als 190 Spielern und über 5000 Fans.
In den letzten 10 Jahren habe ich eine Entwicklung beobachtet, bei der Deutschland die Afrikaner nicht mehr als Belastung sieht sondern eine Beziehung entstanden ist, die von gegenseitigem Respekt und Verantwortung in der Gesellschaft geprägt ist. Heutzutage sieht und kennt man Afrikaner als Teilnehmer bei Germany’s Next Topmodel, The Voice of Germany Projektmanager, Geschäftsführer von Firmen, Busfahrer und Polizisten.

5. Hauptberuflich machen Sie neben dem African Heritage Projekt noch andere Projekte. Erzählen Sie uns ein bisschen davon.
Das African German Information Center (AGIC) informiert über die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, Berufsausbildung, Weiterbildung und Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. AGIC baut Brücken zu den zuständigen Behörden und Integrationsangeboten in Hamburg. Das Projekt, bei dem ich involviert bin, heißt Recognition Now and BeConnected. Es richtet sich an alle Neu-Zuwanderer in Hamburg, insbesondere Afrikanerinnen und Afrikaner, und informiert über die Integrationsangebote der Hansestadt, damit diese besseren Zugang zum Arbeitsmarkt finden.
Die Welcome-Lotsen beraten, vermitteln und begleiten Neu-Zuwanderer auf ihrem Weg zur beruflichen Anerkennung. Die Projekt-Mitarbeiter zeigen Zugangswege zu den bestehenden Angeboten der Institutionen, wie der Agentur für Arbeit und des Jobcenters. Mit dieser Unterstützung können sich qualifizierte Migranten dem Anerkennungsverfahren unterziehen.
Das Projekt wird vom African German Information Center (AGIC) in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft selbstständiger Migranten e.V. (ASM) durchgeführt und arbeitet unter dem Dach des IQ Netzwerkes Hamburg – NOBI.
Außerdem bin ich 2011 als Mitglied des Hamburger Integrationsbeirates gewählt worden. Der Hamburger Integrationsbeirat hat die Aufgabe, die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration und den Hamburger Senat zu integrationspolitischen Fragen und Vorhaben konstruktiv und kritisch zu beraten. Ich bin einer der zwei Vertreter für die afrikanische Region.

5. Sie selbst leben ja schon seit 21 Jahren in Deutschland. Wieso sind Sie damals aus Nigeria nach Deutschland gekommen? Sehen Sie Unterschiede zwischen damals und heute in der afrikanischen Community in Deutschland?
„Wo man eine Familie gründet, ist Heimat“. Seit 12 Jahren bin ich Vater von zwei Kindern. Es gibt doch positive Unterschiede zwischen damals und heute. Trotzdem habe ich manchmal „gemischte Gefühle“ in Deutschland. In Nigeria kenne ich es, dass die Leute sehr offen sind. Statt Offenheit erlebte ich in Deutschland offene Diskriminierung. Oft hörte man „geschlossene Gesellschaft“, in Diskotheken, bei Stellenangeboten kommen in selektiver Weise zuerst Deutsche, dann EU Bürger, nicht-EU Bürger, Bürger der Länder mit einem Assoziierungsabkommen mit Deutschland und dann als letztes Migranten aus Dritte-Welt-Ländern zum Zuge. Und unter diesen Migranten stehen AfrikanerInnen an letzter Stelle. Gott sei Dank, die Gesellschaft öffnet sich, heutzutage gibt es Migranten mit afrikanischem Migrationshintergrund im Bundestag, in Stadtbürgerschaften und Integrationsbeiräten. Ich sehe heute Kandidaten und Juroren bei Germany’s Next Top Model und The Voice of Germany, CEOs und Politiker mit afrikanischer Herkunft. Dies sind feststellbare positive Änderungen, aber es könnte noch besser sein. Wenn ich einen Tag „König von Deutschland“ sein könnte, würde ich mich für gegenseitigen Respekt stark machen.

6. Welche großen Unterschiede sehen Sie zwischen Ihrem Heimatland Nigeria und Deutschland?
Eines liegt in Afrika und das Andere in Europa, so sind auch die Menschen, Kulturen und Weltanschauungen verschieden.

7. Was wird die Zukunft für das African Heritage Magazin und die HiBC bringen? Was können Sie damit noch erreichen?
In die Zukunft kann man nicht sehen, aber durch das African Heritage Magazin und die HiBC strebe ich danach eine Botschaft zu verbreiten: Dass alle Hautfarben in diesem Land eine Chance haben, ihren Beitrag zum Zusammenleben in Frieden zu leisten und die Gelegenheit bekommen, ihre Fähigkeiten zu beweisen. Ich rate anderen Migranten ganz pragmatisch aktiv zu werden und die Sprache zu lernen, denn „sie ist der Schlüssel zu den Menschen.“. Ich rate Ihnen außerdem sich ausbilden zu lassen, ihre Träume zu bewahren, immer am Ball zu bleiben und abzuwarten, was die Zukunft bringt.