Fairtrade bedeutet bessere Bezahlung und menschenwürdige Arbeitsbedingungen für Kleinbauernfamilien und Beschäftigte auf Plantagen. Seit 1992, als Kaffee als erstes Produkt des Fairtrade-Anbaus in deutschen Geschäften angeboten wurde, folgten zahlreiche Produkte: Bananen, Schokolade, Kakao, Honig, Reis, Tee, Wein, Zucker und vieles mehr.

Schnittblumen gerieten dabei öfter in die Kritik: die Arbeitsbedingungen seien unmenschlich und sie würden zu billig produziert werden. Der Anbau von Blumen und Pflanzen von der Aufzucht und Ernte bis zum Zuschneiden und Verpacken ist ein sehr aufwendiges Geschäft. Die Fairtrade-Farmen liegen in Kenia, Äthiopien, Tansania, Uganda, Simbabwe, Ecuador, El Salvador, Sri Lanka und Costa Rica. Gut 80% der in Deutschland verkauften Schnittblumen müssen aufgrund der hohen Nachfrage importiert werden.

Das erste Unternehmen, das Fairtrade-Blumen nach Deutschland importierte, ist die Omniflora Blumen Center GmbH aus Neu-Isenburg bei Frankfurt. Er ist nach eigenen Angaben führender Spezialist für Fairtrade-Schnittblumen. Die Weltmarktführerschaft musste man 2015 an das niederländische Unternehmen Afriflora abtreten, nachdem deren äthiopische Blumenfarm Sher die Fairtrade-Zertifizierung erhalten hatte.

Die ersten Abnehmer von Omniflora in Deutschland waren 2001 die Supermarktketten Edeka und Tengelmann. Mittlerweile gehört Rewe zu den wichtigsten Kunden, fast alle der dort verkauften Fairtrade-Schnittblumen stammen von Omniflora. Der Verkauf an Supermärkte sei wichtig, weil die Stetigkeit des Verkaufs und der Preise eine Voraussetzung für die Fairtrade-Zertifizierung ist, denn nur so ist sicher, dass auch die Arbeiter auf den Blumenfarmen das ganze Jahr über ein stabiles Einkommen haben. Einzelne Floristen könnten eine konstante Abnahmemenge nicht garantieren.

Omniflora arbeitet mit 15 Unternehmen mit insgesamt 22 Farmen in Kenia zusammen. Die Blumenindustrie ist nach Tee die zweitgrößte Devisenquelle des Landes. In Kenia gebe es im Vergleich zu Nachbarländern wie Tansania und Äthiopien ein besseres Rechtssystem. Durch die Fairtrade-Zertifizierung können die Farmen verlässlich ihre Kosten decken und ihren Arbeitern neben geregelten Arbeitsbedingungen einen Lohn bieten, der einen menschenwürdigen Lebensstandard gewährleistet.

Die Fairtrade-Prämie – ein ein Preisaufschlag von 10 Prozent auf den Exportpreis – soll zudem im Interesse der Arbeiter und deren Familien genutzt werden und wird von Omniflora beispielsweise hauptsächlichfür Bildungsprojekte eingesetzt.

Laut Transfair e.V. umfasst die Fairtrade-Zertifizierung soziale, ökologische und ökonomische Kriterien. Kenia biete für den ideale Bedingungen für den Anbau von Schnittblumen. Claudia Brück,  ein Mitglied des geschäftsführenden Vorstands von Transfair, erklärt, dass eine Rose, die in Kenia gezüchtet und per Flugzeug nach Europa gebracht werde, weniger Energie, inklusive Flugbenzin verbrauche, als in einem europäischen Gewächshaus notwendig wäre.