Leïla Slimani ist eine französisch-marokkanische Schriftstellerin, Journalistin und Feministin. In ihren Büchern beschäftigt sie sich mit ihrer Heimat Marokko und klärt über Islam und Feminismus auf. Sie ist in Rabat, Marokko, geboren und lebt seit ihrem 18. Lebensjahr in Paris. Die 36-jährige gilt als “die neue Stimme der französischen Literatur”. Spiegel online bezeichnet sie als “Eine Stimme, die lange fehlte”.

Nach ihrer ersten Veröffentlichung im Jahre 2014 machte Slimani eine Lesereise durch Marokko. Schon als Jugendliche war sie entsetzt darüber gewesen, dass Frauen im Gegensatz zu den Männern in ihren Freiheiten stark eingeschränkt waren und es immer noch sind. Auf ihrer Reise hat sie Nour kennengelernt, eine junge Frau, die ihr von ihrem Liebesleben erzählte und Inspiration für die Graphic Novel “Hand aufs Herz” (Paroles d’honneur) wurde. Der Roman und “Sex und Lügen. Gespräche mit Frauen aus der islamischen Welt” (Sexe et Mensonges. La vie sexuelle au Maroc) sind beide dieses Jahr neu erschienen. Die marokkanische Gesellschaft spricht nicht viel über Sex, ist aber weltweit der fünftgrößte Konsument von Internetpornographie. In ihren Essays analysiert Slimani diese Widersprüche und verweist unter anderem auch auf Artikel im marokkanischen Gesetz, die beispielsweise Abtreibungen verbieten. Man erfährt, dass der Sex vor der Ehe verboten ist, aber vor allem in der jüngeren Generation zum Alltag gehört. Sie thematisiert auch, dass marokkanische Männer oft noch immer nicht zwischen einer sexuell aktiven Frau und ihrer Einwilligung zum Sex unterscheiden.

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Auch mit ihrem Buch “Dann schlaf auch du”  (Chanson douce), das 2016 erschien, schrieb sie einen Bestseller. Sie gewann dafür den wichtigsten französischen Literaturpreis, den Prix Goncourt. Das Buch wurde allein im Erscheinungsjahr rund 350000 Mal in Frankreich verkauft. Die französische Zeitschrift “Elle” widmete ihr ein Cover und sie arbeitet zur Zeit auf Frankreichs Präsident Emmanuel Macrons Wunsch hin als Botschafterin für Frankophonie. Der Roman handelt von einem Doppelmord zweier Kinder, die mit ihrem Kindermädchen zuhause waren. Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit: Slimani hatte die  Geschichte aus New York, USA, nach Paris übertragen.

Myriam und Paul suchen ein Kindermädchen für ihre beiden kleinen Kinder, Mila und Adam. Myriam will wieder anfangen, als Anwältin zu arbeiten, Paul ist als Musikproduzent oft nicht zuhause. Zunächst will das paar keine Unterstützung in Betracht ziehen, als “bourgeoise Bohemiens” sei es nicht selbstverständlich, Hilfe im Haushalt zu haben. Schließlich holen sie sich Nanny Louise ins Haus und sind rund um zufrieden. Sie erzählt den Kindern Geschichten, kocht Abendessen für die Familie, erledigt ihre Aufgaben wie es sein sollte. Sogar in den Sommerurlaub nach Griechenland nimmt das Paar die 50-jährige mit. Trotzdem gibt es eine “soziale Konfliktlinie”, schließlich spielt die Geschichte im 10. Arrondissement, eines der besseren Viertel in Paris, und auch Myriams und Pauls Freunde leben nunmal in einer anderen Schicht als Louise. Das interessiert das Paar aber nicht, sie bleiben in der Hinsicht distanziert und wimmeln mögliche Probleme ab. Einerseits fallen also die Grenzen der Privatsphäre, andererseits soll die Distanz im Dienstverhältnis gewahrt bleiben. Sowohl das, als auch Louises eigene Familiengeschichte, die nach und nach ans Licht kommt, sind erste Anzeichen auf das schreckliche Ende.

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Leïla Slimani war dieses Jahr auch zu Gast bei Fronteiras do Pensamento (Portugiesisch: Grenzen des Denkens) – ein brazilianisches Kulturprojekt, das seit 2006 Konferenzen von international bekannten Intelektuellen fördert um aktuelle Angelegenheiten und Probleme zu thematisieren und zu diskutieren. Themen wie wissenschaftliche Entdeckungen,  Sozialforschung, nachhaltige Lösungen, philosophische Thesen, verschiedene Einflüsse um die Welt zu verstehen und zu interpretieren, gesellschaftliche und politische Führungskräfte oder Aktivismus werden auf den jährlichen Konferenzen behandelt. Die Onlineinhalte von Fronteiras do Pensamiento sind weltweilt frei verfügbar – hunderte Videos, Artikel, News und Interviews auf Portugiesisch, Spanisch und Englisch.

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