19.06.2019

Wie kann oder muss das neue Verhältnis zwischen Europa und Afrika aussehen?
Das ist die grundlegende Frage, die der kamerunische Philosoph und Historiker Achille Mbembe vor drei Tagen während seines Vortrags an der Universität Köln dem Publikum stellt. Insbesondere in Hinblick auf laufende Diskussionen über die Zivilisationsschuld Europas eine durchaus berechtigte Frage, die nicht nur den Professor für Geschichte und Politik antreibt.

So bildet Mbembes Vortrag zeitlich aber vor allem auch inhaltlich den Auftakt für das diesjährige africologneFestival. Ein Festival, dass sich neben der Idee eines transkulturellen Dialogs zwischen Afrika und den europäischen Staaten, vor allem dem Motto der “ästhetische[n] und inhaltliche[n] Multiperspektivität” widmet.

Die Kunst als Katalysator

Seit Montag (17. Juni 2019) ist es wieder soweit; das biennal stattfindende 5. Festival für afrikanische Künste in Köln, öffnet erneut seine Pforten für Besucher aus aller Welt.
2 Wochen lang  (bis zum 30. Juni 2019) präsentieren ingesamt 50 Künstlerinnen und Künstler – unter anderem aus Burkina Faso, der Elfenbeinküste, Kamerun, Nigeria und Mali – afrikanische Musik, Literatur, Tanz, sowie Theater- und Perfomancekunst.

Ex-SITU - Giovanola by Klaus Fröhlich

Ex-SITU – Giovanola by Klaus Fröhlich

In diversen Kölner Locations wie bspw. der Alten Feuerwache, dem Orangerie Theater oder dem Spielhaus Köln gibt es dann zusammengenommen 10 Produktionen bzw. Präsentationen von Solo-Künstlern, aber auch von verschiedenen Kreativ-Kollektiven zu bewundern.
Ein Rahmenprogramm mit Tanzkursen und Diskussionsrunden gehört ebenfalls zum Festival-Angebot.
Getragen wird das Ganze von der afroTopia e.V und bildet zusammen mit dem Afrika Film Festival und dem Literaturprogramm ‘stimmen afrikas’ eins der wichtigsten Zentren für transnationale Kooperation und zeitgenössische Kunstproduktionen aus Afrika.

Kunst- so die Idee – soll genutzt werden, um komplexe Themen wie Postkolonialismus oder Dekolonialisierung in kreativer, nachvollziehbarer, aber auch kritischer Art und Weise darzustellen und Dialoge zu schaffen. Dialoge, die nicht nur einen sachlichen Informationsaustausch bedeuten, sondern Gefühle wecken und zum Nachdenken anregen. Vor allem zum Nachdenken darüber, was es bedeutet “gleichberechtigt in einer globalen Weltgemeinschaft” miteinander umzugehen.

Schließlich, so auch der Veranstalter, gehe es bei dem Festival vor allem um die Frage “wie man die postkolonialen Strukturen, die nach wie vor die Beziehungen zwischen Europa und Afrika bestimmen, in der (künstlerischen) Zusammenarbeit überwinden kann“.

Bühnen für Bewegung

Spirit Child by Fernando Velazquez

Spirit Child by Fernando Velazquez

So handelt die Tanzperfomance “Spirit Child” von und mit Oudus Onikeku, die am 21. und 23. Juni in der Alten Feuerwache gezeigt wird, von dem Gefühl Grenzgänger in einer fremden Welt zu sein. Basierend auf dem Roman “The Famished Road” von Ben Okri  begleitet das Stück die Reise des Geisterjungen Azaro durch die Menschenwelt und stellt sich dabei Fragen der Zugehörigkeit, Fragen des Sinns und reflektiert nahezu unverfroren über “soziale, ökonomische, historische und politische Gegebenheiten” unserer menschlichen Gegenwart und Zukunft.

Die Revolution frisst ihr Kinder! / Kunst und Revolte by Lupi Spuma

Die Revolution frisst ihr Kinder! / Kunst und Revolte by Lupi Spuma

Aber auch das Stück “Die Revolution frisst ihre Kinder” (22. und 23. Juni), das von einer Gruppe erzählt, die bei ihrer Expedition durch Burkina Faso in einen Bürgerkrieg gerät, zeigt eindrucksvolle Bilder von Revolte und Revolution.
Insgesamt bilden alle Aufführungen des Festivals einen bunten Mix aus Musik, Film und Bewegung, der das Publikum nicht nur unterhält, sondern auch zum Teil der Erzählung macht.
Bei der Performance “Reverse Colonialism!” des Starboy Kollektivs beispielsweise, stimmen die Zuschauer selbst darüber ab, wie die neuen Regeln und Normen eines fiktiven europäisch-afrikanischen Staats aussehen sollen.

Das Festival und seine Veranstaltungen zeigen zwar wie postkoloniale Strukturen immer noch das Verhältnis zwischen Europa und Afrika prägen, präsentieren aber – um auf die anfängliche Frage von Mbembe zurück zu kommen – genauso vielfältige und kreative Perspektiven für einen neuen, gleichberechtigten Umgang.

Für uns: Definitiv einen Besuch wert!