Ohne Zweifel würden viele Paris als einen schillernden Ort beschreiben. Gar als ein Kunstwerk, das mit der farbenprächtigen Palette der nächtlichen Lichtern des Eiffelturms, den duftenden Gebäcken der französischen Pâtisserien und dem fröhlichen Trubel flanierender Menschen, geschaffen worden war. Berühmt berüchtigt ist tatsächlich die Pariser Modeszene, die von weltbekannten Namen wie Yves Saint Laurent, Christian Louboutin, Louis Vuitton und Dior beherrscht wird.

Diors Kurswechsel

Gerade das Atelier von Dior reflektiert seit neuestem den multikulturellen Charme der Stadt. Das Zentrum der Mode steht nun im Zeichen afrikanischer Einflüsse, denn in der Cruise Collection 2020 des Luxuslabels, die in Marrakesch vorgeführt wurde, sind eindeutig afrikanisch inspirierte Schnitte, Muster und Designs erkennbar. Als erste weibliche Designerin bei Dior machte Maria Grazia Chiuri damals ein Statement im Sinne des Feminismus. Jetzt, drei Jahre später, setzt sie sich für einen echten Dialog und eine längerfristige Kollaboration des Westens mit Afrika ein. Ihrer Meinung nach wird immer über die Unterschiede gesprochen, während die Gemeinsamkeiten die der Westen und Afrika teilen, weniger betont werden. Deshalb arbeitet sie mit verschiedenen Designern und Handwerkern, darunter auch an der Elfenbeinküste, zusammen.

So konnte eine internationale Show in der Hauptstadt Marokkos veranstaltet werden, in der die Models Kleidungsstücke mit Savannenmotiv oder eine Neuinterpretation des Dior Bar Jackets präsentierten. In Kooperation mit dem Designerlabel Pathé O entstand außerdem ein spezielles T-Shirt mit einem Aufdruck von Nelson Mandela, der Symbolfigur der afrikanischen Unabhängigkeit und Individualität. Besonders exponiert wurden die handgemachten Wax Print-Stoffe, die durch ihre Einzigartigkeit der europäischen Auffassung von Perfektion widersprechen.

Weltoffenheit und Respekt statt Vorurteile

Der Schritt, den Dior mit dieser Kollektion getan hat, ist ein Meilenstein, denn an afrikanischen Produkten und Gütern hängen gewisse Stigmata, die es den afrikanischen DesignerInnen erschweren, sich zu etablieren. Die Gründerin von Laurenceairline, Laurence Chauvin-Buthaud, meint dazu: “In Frankreich ist es noch nicht so lange her, dass man als Designer mit afrikanischen Wurzeln wahrgenommen und wertgeschätzt wird, sodass man sich akzeptiert fühlen kann.”

Diors afrikanische Kollektion hat eine sehr positive Resonanz ausgelöst: die Designermarke mit geschichtsträchtigen Heritage beweist damit ihre Bereitwilligkeit für Toleranz und Respekt, für Offenheit gegenüber anderen Kulturen, und für eine Vereinigung der bisher so getrennten Welten der afrikanischen und westlichen Welt.