Angela Merkel (CDU) war vor zwei Monaten schon nach Westafrika gereist, um mit den Regierungschefs des Senegals, Ghanas und Nigerias um vor allem über die Themen Migration und Wirtschaft zu sprechen. Außerdem hatte sie während der deutschen G20-Präsidentschaft im vergangenen Jahr eine Initiative für stärkere Investitionen in Afrika gestartet. Dort hatten die Industrie- und Schwellenländer bereits versprochen, bei der Anbahnung von Geschäften in afrikanischen Partnerländern zu helfen. Dafür sollen sich diese auf Reformen einlassen – im Bankensektor, in der Steuerpolitik und beim Ausbau ihrer Infrastruktur.

Nun lud die Bundesregierung Staatschefs und Topmanager aus zwölf afrikanischen Ländern zu einem Gipfeltreffen der G-20 Initiative Compact with Africa in Berlin ein. Zwei Stunden lang hatten deutsche Unternehmer und afrikanische Politiker miteinander debattiert. Benin, Elfenbeinküste, Ägypten, Äthiopien, Ghana, Guinea, Marokko, Ruanda, Senegal, Togo, Tunesien und Burkina Faso gehören bisher zu der Initiative.

Bei dem Treffen verkündete Angela Merkel, dass Deutschland Afrika mit privaten Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro fördern will. Der Fonds soll von der Deutschen Entwicklungsgesellschaft (DEG) verwaltet werden. Durch diese zusätzliche, finanzielle Förderung sollen gerade kleinere und mittelgroße Unternehmen zu einem stärkeren Engagement auf ihrem eigenen Kontinent ermutigt werden. Es sollen aber nicht nur die afrikanische Unternehmen profitieren, sondern auch deutsche Firmen, die in Afrika investieren.

Der Entwicklungsfonds soll europäischen und afrikanischen Firmen mit Darlehen beim Markteintritt helfen, da gerade Jungunternehmern oft die Möglichkeit fehlt, ausreichendes Startkapital zu stellen. Merkel erklärte, dass ihre Maßnahmen immer abhängig von Reformschritten und der Schuldentragfähigkeit des jeweiligen Landes seien.

Merkel kündigte an, dass neue Ausbildungspartnerschaften mit afrikanischen Ländern angestrebt sowie die Förderung von regionalen Firmen und Industrieparks verstärkt würden.

Außerdem wolle die Regierung deutsche Privatunternehmen, die ihr Geld in den afrikanischen Kontinent stecken, besser gegen politische Risiken und Zahlungsrisiken absichern, da viele deutsche Unternehmen wegen der allgegenwärtigen Korruption und Rechtsunsicherheit immer noch eher zurückhaltend sind.

Die verstärkten Bemühungen um Afrika sollen auch dazu beitragen, die Migration aus afrikanischen Ländern nach Europa zu stoppen – man müsse die Menschen dort besser über die Gefahren einer Flucht aufklären und über die Chancen und Perspektiven in ihren Heimatländern informieren.

In Afrika tätige deutsche Unternehmen sind mit diesen Ankündigungen sehr zufrieden – Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen stehen dem Fonds eher skeptisch gegenüber. Die Gesellschaft für bedrohte Völker kritisierte, dass ärmere afrikanische Staaten nicht zu den Partnerländern zählen und vernachlässigt würden. Sie fordern, dass mehr gegen Armut und für Bildung und Gesundheit getan werde. Auch die entwicklungspolitische Lobbygruppe One kritisierte, die Partnerschaften zielten zu einseitig auf die Investitionsförderung ab und vernachlässigten die Bekämpfung der Armut.