Was macht ihren Verein aus?

Es gibt viele Vereine in Hamburg, die großartige Arbeit leisten. SchlauFox ist einer von ihnen. In nur acht Jahren hat der Verein es geschafft, sich zu einem großen Bildungsförderer zu etablieren. Wie hat SchlauFox das gemeistert? Die Ingredienzien dafür waren u.a.:

  • Personen, die in ihrer Persönlichkeit unterschiedlicher nicht sein könnten;

  • verschiedene Herkunftsländer, Studienrichtungen und Berufsfelder;

  • ähnliche Weltanschauung und Menschenbilder;

  • Offenheit, Diskussionsfreude und Ausdauer;

  • Und ein gemeinsames Ziel: Die eigenen Fähigkeiten dazu nutzen junge Menschen auf ihrem Bildungsweg zu begleiten.

    Welche inhaltlichen Themen werden durch den Verein vertreten?

SchlauFox fördert Bildung und kämpft für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit. Der Verein ist politisch frei und konfessionell ungebunden. Uns geht es zudem darum, viele Menschen dazu anzustiften, sich ehrenamtlich zu engagieren. 

Mit welchem Ziel haben Sie Ihren Verein gegründet??

Wir haben SchlauFox gegründet, weil wir gesehen haben, dass es viele Kinder und Jugendliche in Hamburg gibt, die nicht ausreichend unterstützt werden. Dadurch können sie oft ihr Potenzial nicht nutzen und erreichen nicht ihr Bestmögliches. Unser Ziel ist es im Rahmen unserer Möglichkeiten diese Misstände zu bekämpfen und junge Menschen zu mehr Bildungserfolg zu verhelfen.

Welche Projekte führen Sie gerade durch?

Unsere Projekte sind sehr unterschiedlich. Aktuell führen wir sechs Programme durch:

  • Wir fördren mit der Plietschen Kinderküche z.B. ein besseres Ernährungsbewusstsein mit Kochkursen und Aktionen;

  • mit JEA! (Jedem einen Abschluss) begleiten wir Jugendliche zum Ersten Schulabschluss mit fachlicher Nachhilfe und Coaching;

  • im Rahmen von Ankerlicht sind wir Mentoren für jugendliche Geflüchtete und helfen ihnen im Übergang von der Internationalen Vorbereitungsklasse (IVK) in die Regelklasse;

  • mit unserem Schulbegleiterprogramm STAR ermöglichen wir es schwierigen und verhaltenskreativen Schülern den Schulalltag zu meistern;

  • bei Varia Kultur handelt es sich um ein interkulturelles Buchprojekt. Die Kinder und Jugendliche nutzen Mittel der Kunst und setzen sich mit ihrem Lebensraum auseinander, lernen ihren Stadtteil kennen und erforschen ihre Familiengeschichten. Am Ende bringen sie ein eigenes Buch mit ihren Ergebnissen heraus.

    Wie viele Vereinsmitglieder sind bei Ihnen tätig? Wie und wofür kann man sich engagieren?

Es engagieren sich bei SchlauFox fünf hauptamtliche Mitarbeiterinnen, eine Honorarkraft, Praktikanten und Bundesfreiwillige sowie ca. 180 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gemeinsam engagieren wir uns für sozioökonomisch benachteiligte Kinder und Jugendliche und dafür, dass junge Menschen mit schlechteren Startchancen ihr Potenzial nutzen können. 

Wie sieht die Vereinsarbeit typischerweise aus? Welche Aufgaben fallen an?

SchlauFox als Verein funktioniert wie ein mittelständiges Unternehmen, entsprechend sind auch die Aufgaben die anfallen: von der Konzeption eines Projektes über die Pilotierung bis zur Implementierung verlaufen viele einzelne Schritte. Zudem besteht das laufende Geschäft aus Projekt-, Personal- und Eventmanagement. Es gilt Ehrenamtliche zu rekrutieren, Kooperationspartner zu finden, Kontakte zu pflegen und Fördermittel zur akquirieren. Der Verein bietet regelmäßige Fortbildungen für seine Ehrenamtlichen an, die geplant und umgesetzt werden müssen. Wir müssen die Qualität unserer Arbeit nach eigenen und manchmal auch nach fremden Standards überprüfen. Die Vereinsarbeit von SchlauFox ist umso komplexer, da wir ganz unterschiedliche Bildungsförderprogramme anbieten. Aber nur so werden wir den unterschiedlichen Bedarfen der Kinder und Jugendlichen gerecht.

Veranstalten Sie häufig  Events, um Ihre Bekanntheit zu steigern? 

Wir veranstalten keine großen Events um unsere Bekanntheit zu steigern, aber wir nutzen vorhandene Wege und Medien um konstant präsent zu sein oder bekannter zu werden.

Wir sind über eine eigene Website und über Social Media aktiv. Wir vernetzen uns regelmäßig mit anderen Nonprofit-Organisationen, mit Stiftungen und Institutionen der Hamburger/deutschen Bildungslandschaft. Nicht zuletzt beteiligen wir uns an Events, z.B. waren wir in der Vergangenheit bei Stadtteilfesten aktiv und nehmen an afrikanischen Kulturfestivals (z.B. Alafia) etc. teil. Wir verfügen inzwischen über ein großes Netzwerk, das sich ständig erweitert. So stellen wir sicher, dass diejenigen, die Unterstützung benötigen auch über die Schulen, ihre Eltern, Jugendeinrichtungen etc. zu uns finden. Andererseits ist das auch unser Weg viele Menschen zum ehrenamtlichen Engagement anzustiften.

Was möchten Sie in Zukunft erreichen?

Unsere Bildungsförderarbeit ist sehr erfolgreich. Wir erreichen über 400 Kinder und Jugendliche pro Jahr freuen uns darüber. Aber mit unserer Arbeit möchten wir gern noch mehr Kinder und Jugendliche begleiten und fördern. Das geht nur, wenn wir ausreichend Ressourcen haben: Zudem hoffen wir weiterhin auf großartige finanzielle Unterstützung durch Stiftungen, privaten Spendern, Beteiligungen der Behörde an den Projektkosten, aber auch durch dotierte Auszeichnungen. Zum anderen brauchen wir vielen Menschen, die sich mit uns ehrenamtlich engagieren, die Freude daran haben einen jungen Menschen oder eine kleine Gruppe regelmäßig zu unterstützen und die sich durch Fortbildungen und Workshops persönlich weiterentwickeln wollen. Und nicht zuletzt benötigen wir räumliche Kapazitäten, von denen unser Wachstum maßgeblich abhängig ist. Wir benötigen aktuell günstige Büroräume, in denen die insgesamt sieben bis neun Personen Platz haben, ihre Arbeit auszuüben. Konkret ist es also unser Ziel, in diesem Jahr geeignete Büroräume zu finden und den Umzug zu meistern. Langfristig möchten stellen wir uns einen „SchlauFox-Bau“ vor: Bildungszentrum, in dem wir unsere Projekte anbieten und von wo aus wir alles koordinieren können. Aber bis dahin haben wir noch etwas Zeit.

Inwiefern tragen Sie zur besseren deutsch-afrikanischen Verständigung bei?

Das tue ich allein schon dadurch, dass ich als Person in der Öffentlichkeit stehe. Viele Bürger*innen haben einen sehr defizit-orientierten Blick auf den afrikanischen Kontinent und einen negativen Blick auf Afrika-stämmige Menschen, die in Deutschland wohnen. Nicht zuletzt halten uns noch immer viele Menschen für rückständig und weniger talentiert. Menschen wie ich zeigen ein anderes Bild von Afrika-Stämmigen. Ich bin stolz auf meine Wurzeln und die Kulturanteile und Werte, die ich als Kind mitbekommen habe und noch immer lebe. Das strahle ich in der Öffentlichkeit auch aus. Ich bin Vorbild für junge Menschen, v.a. für die Kinder und Jugendlichen, die Afrika-stämmig sind, aber hier geboren sind. Ich möchte ihnen zeigen, dass sie ALLES, wirklich ALLES erreichen können, wenn SIE es nur WOLLEN und wenn sie bereit sind auch wirklich ALLES dafür zu tun.

Viele afrika-stämmige Menschen sprechen mich in meiner Funktion als Lehrerin an, wenn sie sich mit dem Schulsystem überfordert fühlen oder wenn ihre Kinder Schwierigkeiten in der Schule haben. Das sind vorwiegend Mütter, aber manchmal habe ich auch Beratungsgespräche mit Vätern gehabt. Es ist teilweise schwer für sie nachzuvollziehen, was die Schule in Deutschland/Hamburg von ihnen fordert. Vor allem verstehen einige es nicht, dass die Schulen Schwierigkeiten mit ihren Kindern haben und diese scheinbar nicht selbst bewältigen können. Als ich Kind war, sind meine Eltern oder Großeltern nie in die Schule gegangen um irgendetwas zu klären. Und schon gar nicht sind sie in die Schule zitiert worden, weil ich Mist gebaut habe. Die Schule hatte ihren Auftrag und dem kam sie alleine nach. Die Eltern hatten ihren Auftrag. Jeder erledigte seine Aufgabe bestmöglich, keiner mischte sich bei dem anderen ein. In Deutschland müssen Eltern in die Schule, um für das grobe Fehlverhalten einens Kindes an Klassenkonferenzen teilzunehmen. Und schlimmer noch: Sie Schule erstattet einfach Hausbesuche ab, wenn das Kind z.B. längere Zeit nicht anwesend war. Hier werden die Welten also mehr vermischt. Das ist so gewollt, um die Kinder bestmöglich fördern und fordern zu können. Aber für Eltern, die aus anderen (Erziehungs- und Bildungs-)Kulturen stammen, ist es manchmal schlichtweg unverständlich. Da kann ich vermitteln, weil ich beides kenne.

Zudem merke ich manchmal im Gespräch mit meinen Landsleuten, dass wir Ghanaer sehr genügsame Menschen sind. Wir sind enorm anpassungsfähig, belastbar, aber eben auch genügsam. Das führt dazu, dass wir uns schnell mit wenig zufriedengeben und dann häufig nicht nach Höherem streben. Das ist nicht gut für uns. Wir sollten mehr fordern, von uns, von der Gesellschaft und von unseren Kindern. Wir sollten nicht den erstbesten Job annehmen, sondern uns danach weiterbilden, uns darauf konzentrieren die Sprache zu lernen und höhere Jobs anstreben. Und unsere Kinder sollten täglich merken, dass es für sie und uns nicht reicht, wenn sie uns mittelmäßige Noten nach Hause bringen. Es ist wichtig, dass wir aktiv Interesse an ihren schulischen Belangen zeigen, dass wir präsent sind, wenn nötig. Nur so können wir weiterkommen und für unsere Kinder bessere Begleiter sein. Über diese und andere Themen tausche ich mich immer wieder mit anderen Afrika-stämmigen Menschen aus.

In welchem Alter sind sie nach Deutschland gekommen, welche Vorstellungen hatten sie von Deutschland? Wurden diese erfüllt/enttäuscht?

Ich bin im Alter von 10 Jahren nach Deutschland gekommen. Die einzige Vorstellung, die ich vorher vom Land hatte – weil viele mich davor gewarnt hatten – war, dass es hier sehr kalt sei. Ich wurde nicht enttäuscht Noch bis heute habe ich Schwierigkeiten mit der Kälte und vor allem mit der Dunkelheit hier im Norden. Auch nach über 25 Jahren habe ich mich nicht an das Klima gewöhnt. Wenn ich eines Tages entscheide das Land zu verlassen, dann wirklich nur, weil ich das Klima nicht aushalte. Aber manchmal weiß ich die vier Jahreszeiten auch zu schätzen. Wenn nach dem Winter die Natur wieder zum Leben erwacht…das ist schon magisch.

Welche Schwierigkeiten sind ihnen während der Schulzeit begegnet?

Die Schwierigkeiten hier aufzuzählen, die mir in der Schulzeit begegnet sind, würde den Rahmen sprengen. Kurz gesagt, war von allem etwas dabei. Anfangen mit großen Sprachschwierigkeiten, wegen denen mir mangelnde kognitive Fähigkeiten allgemein attestiert wurden. Hinzukamen Anfeindungen aller Art auf Grund meiner Hautfarbe und meines Aussehens. Ich wurde z.B. wegen meinen krausen Haaren, die häufig abstanden, von vielen Mitschülern „Sonic“ genannt. Kennen sie diese Super Mario-Figur? Ich fand das schrecklich und habe jahrelang darunter gelitten. Und nie werde ich meinen ersten Schultag auf der weiterführenden Schule vergessen als wir zur Einschulung in der Aula saßen. Hinter mir in den Reihen saßen einige Jungs, die mich mit Steinen bewarfen und „Hey Nigga“ riefen. Ich hatte die ganze Zeit Tränen in den Augen und wäre am liebsten rausgerannt. Das habe ich aber nicht gemacht, soviel Macht wollte ich ihnen nicht über mich geben.

Und bis zum Studium hatte ich immer wieder die Situation für gleichwertige Leistungen nicht die gleiche Anerkennung – auch in der Form von Noten – zu erhalten. Es ist keine Einbildung, wenn ich sage, als schwarzes Mädchen musste ich bei einigen Lehrern und Professoren für die gleichen Noten viel mehr Leistung erbringen. All diese und andere Formen der Diskriminierung gehören nicht der Vergangenheit an. Sie werden tagtäglich von vielen Menschen erlebt.

Wie sind sie mit Rassismus umgegangen?

Es ist schwer darauf eine pauschale Antwort zu geben. Das war unterschiedlich. Manchmal habe ich mich aktiv gewehrt. Als 10-jähriges Kind in Deutschland bin ich einfach auf meine Mitschüler losgegangen und habe sie verprügelt, wenn sie mich beschimpft oder mit Gegenständen nach mir geworfen haben. Ich war zwar häufig kleiner als sie, aber meine Kraft sollte man nicht unterschätzen. Natürlich wusste ich damals schon, dass es nicht die beste Antwort war, aber ich konnte mich nicht mit Worten wehren, dafür sprach ich die Sprache nicht gut genug. Später habe ich den meisten Menschen einfach durch gutes Kontern den Wind aus den Segeln genommen. Man muss aber manchmal auch einfach einstecken können. Es gibt Situationen, in denen Reden nicht hilft und wo man sich auch nicht körperlich verteidigen sollte, wenn man geschlagen wird. Z.B. wenn fünf starke Männer mich angreifen und ich weiß, egal was ich tue, ich verliere gegen sie. Dann ist es falsch mein Leben aufs Spiel zu setzen und sie mit klugen Sprüchen zu reizen. Es gilt den Mund zu halten und darauf zu hoffen, dass ihre Wut – was auch immer sie ausgelöst hat – verfliegt, wenn sie mich angepöbelt und hin- und hergeschubst haben.

Und nicht zuletzt gab es auch Freunde und wildfremde Menschen, die zu mir gestanden haben, wenn ich angefeindet wurde. Es hat mir in solchen Situationen sehr geholfen nicht allein zu sein. 

Wie helfen sie Kindern in Ghana, die auch zur Schule gehen wollen?

Ich begleite seit 2001 verschiedene Kinder in Form von „Patenschaften“. Ich übernehme die Kosten, die anfallen (Schulmaterialien) und unterstütze ihre Familien, damit diese die Kinder auch in die Schule gehen lassen. Als ich Ghana verlassen habe, wollte ich irgendwann zurück, um eine Schule zu bauen. Davon habe ich die letzten Jahre etwas Abstand genommen. Es gibt in Ghana bereits viele Schulen: staatliche und noch mehr private. Ich weiß nicht, ob das Land noch weitere Schulen braucht. Und wenn, dann wirklich irgendwo zwischen mehreren kleinen Dörfern, damit die Kinder keinen allzu weiten Schulweg haben. Wichtiger noch scheint es mir aber, den Jugendlichen nach der Schule eine Ausbildung zu ermöglichen, denn allzu oft endet der Bildungsweg vieler junger Menschen nach der Schule. Potenziale werden also nicht weiter genutzt. Das sollte sich ändern. In diesem Bereich möchte ich mich in Zukunft mehr engagieren. 

Welche Chancen haben sie in Deutschland erhalten, die in Ghana nicht möglich gewesen wären?

Ich konnte hier kostenlos die Schule besuchen. Ich habe hier jeden Tag mehrere Mahlzeiten zu essen bekommen. Ich konnte in meiner Freizeit sportliche Aktivitäten ausüben. Das war es, was den Unterschied gemacht hat. Das ist gar nicht so viel und am Ende eben doch. Wenn alle Kinder dieser Welt diese Möglichkeiten hätten, würden sie sehr weit kommen. Einige sicherlich sogar weiter als ich. Am Ende muss man den Einzelnen dann vielleicht nur noch dazu motivieren, die Möglichkeiten auch zu nutzen, die er/sie hat.

Welchen Rat würden Sie einem jungen Immigranten mitgeben?

Ich möchte ihnen folgendes sagen: DU bist für DEIN Leben verantwortlich und kein anderer. Nicht deine Eltern, nicht deine Lehrer, kein anderer. Wenn du etwas nicht erreicht hast, bringt es dir am Ende nichts, es auf irgendwelche Menschen oder auf deine Kindheit zu schieben. Die meisten Menschen auf der Welt haben es nicht einfach in ihrer Kindheit gehabt. So what? Wenn du etwas erreichen willst, musst du dich auf den Weg machen. Nutze alles, was dir zur Verfügung steht, suche dir zwei Menschen, die an dich glauben und lasse dich von ihnen begleiten. Wenn du ein Ziel hast, verliere es nicht aus den Augen. Es werden dir Steine in den Weg gelegt werden, so ist das Leben. Aber glaube an dich, glaube daran, dass du alles erreichen kannst. And then go for it!

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