Bretter, die die Welt bedeuten – im Laufe der letzten Jahre dürfte dieses Sprichwort im Bezug auf Afrika eine ganz neue Bedeutung gewonnen haben. In der Doku-Reihe “Afrika Riding” haben Reporter des TV-Senders Arte einige junge Menschen getroffen, für die das Skateboarden zum Lebensinhalt geworden ist. Und nicht nur das: Der Sport verbindet sie und gibt einigen von ihnen Inspiration, sich in der Gesellschaft zu verwirklichen.

Bild von Pexels auf Pixabay

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Selbstbewusst kurvt sie durch die Straßen, verfolgt von vielen neugierigen, aber auch vorwurfsvollen Blicken. Das ist Dominique bereits gewohnt. Mit ihrer Sonnenbrille, den modischen Klamotten und ihrer Afro-Frisur ist sie in Ghanas Hauptstadt Accra ohnehin eine Erscheinung. Was den Leuten jedoch zuallererst ins Auge fällt, ist das Gefährt, auf dem sie sich fortbewegt: ein Skateboard.  “In Afrika ist es völlig unnatürlich, eine Frau zu sein, die Skateboard fährt”, erzählt Dominique. Die gebürtige Gabunerin fing 2017 mit dem Skaten an, seitdem hat sie es nicht mehr losgelassen. Dominique bezeichnet sich selbst als Feministin und Weltbürgerin, sie ist auf einer Mission: Die nächste Generation zu prägen. In Ghana herrschen trotz Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nach wie vor konservative Werte; das will Dominique ändern. “Ich kann meine Tochter so erziehen, dass sie von klein auf weiß, dass sie frei geboren ist, dass sie mit ihrem Körper machen kann, was sie will und sagt, was sie denkt.”

Auch wenn Dominique – wie sie selbst sagt – die einzige weibliche Skaterin in Ghana ist, so ist sie doch keinesfalls allein mit ihrer Liebe zum Brett mit den vier Rollen und dem Drang, etwas in der Welt zu verändern. Der 22-jährige Philippe und sein Kollektiv “Hustle-Preneurs” haben sich in ihrer Skating-Leidenschaft zusammengefunden und wollen gemeinsam durchstarten. Jeder bringt seine ganz eigenen Talente mit und den Willen, Großes zu erreichen. Ihre Skateboards stellen sie selbst her, möchten sich von der älteren Bevölkerung abgrenzen. “Wir Afrikaner wollen stets neue Jobs schaffen”, sagt Philippe, den alle “Chance” nennen. “Diese Menschen sind talentiert, in sie muss man investieren. Ein Skateboard zu bauen, schafft Arbeitsplätze.” Der junge Ghanaer hat die Uni verlassen, um den Traum von der Selbstständigkeit zu verwirklichen. Ein Bürojob ist nichts für ihn, auch wenn seine Eltern das begrüßen würden und die ungewisse Zukunft des Sohnes mit Sorge sehen. Philippe hingegen glaubt weiter fest an sich und sein Vorhaben. “Wenn du etwas bewegen willst, musst du es selbst tun”, sagt er.

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Afrikas Jugend ist voller Tatendrang und lässt sich nicht abschrecken von den festgefahrenen Wertevorstellungen der älteren Generation, für die Skaten ein No-Go darstellt. Das beginnt inzwischen schon bei den Kindern: Die Organisation “Skate-Aid” hat zusammen mit ihrem Partner aus Ruanda den bislang ersten Skate-Park des Landes in der Haupstadt Kigali ins Leben gerufen. Den Jungen und Mädchen wird vor Ort eine Skate-Ausrüstung zur Verfügung gestellt und die Möglichkeit geboten, sich mit der in Ruanda noch jungen Sportart vertraut zu machen. Den Kindern wird neben Spaß ebenso Körpergefühl, Zielstrebigkeit und Selbstbewusstsein vermittelt. Zudem erfordert es Mut, sich auf das Brett zu wagen und es auch nach einem Sturz weiter zu probieren.

Skateboarding steht in Afrika sinnbildlich für Aufbruch, Perspektiven und Selbstverwirklichung. In einer konservativen Gesellschaft hat sich eine Jugendkultur herausgebildet, die nach mehr strebt als dem, was ihre Eltern ihnen vorgeben. Und je mehr Altersgenossen sich der Bewegung anschließen, umso mehr werden die jungen Menschen in Zukunft verändern. Um es mit den Worten von Philippe aus Ghana zu sagen: “Wenn wir zusammenhalten, können wir etwas erreichen.”