Fashion Consultant Beatrace Angut Oola ist nicht nur in der deutschen Modeszene zu Hause. Als Modeagentin machte sie sich durch die Kooperation mit vielen nennenswerten internationalen Designern und Brands einen Namen. In Deutschland geboren und in Uganda aufgewachsen, leitet sie heute von Hamburg aus die Geschicke ihrer Agentur apya productions, die mit einem Fokus auf Afrika Kommunikationstaktiken für internationale Netzwerke schafft und mit globalen Modeunternehmen zusammenarbeitet. Warum ihre afrikanischen Wurzeln so wichtig für ihre Arbeit sind und wie sie die Zukunft der zeitgenössischen Mode afrikanischer Herkunft einschätzt, erklärt sie uns im exklusiven Interview.

 

Sie sind eine erfolgreiche Fashion Consultant. Welchen Einfluss haben Ihre afrikanischen Wurzeln auf Ihre Arbeit?

Meine afrikanische Herkunft hat einen sehr großen Einfluss auf meine Arbeit. Aufgrund meiner urgandischen Wurzeln ist für mich das Thema zeitgenössische Mode afrikanischer Herkunft natürlich sehr interessant. Aufgrund meiner Herkunft kann ich meine Visionen an mein Publikum und Kunden glaubwürdiger kommunizieren. Darüber hinaus lege ich großen Wert darauf, Designer zu vertreten, die nicht nur in Europa, sondern auch in afrikanischen Ländern produzieren. Grund hierfür ist zuallererst, dass ich mich damit identifizieren kann und außerdem die Qualität von in Afrika produzierter Mode außerdem internationalen Standards entspricht.

 

Wie inspiriert Ihre afrikanische Herkunft Sie persönlich?

Ich bin eine Person, die sehr gerne kreativ ist. Dabei lasse ich mich von allem Möglichen inspirieren, aber meine afrikanische Herkunft nimmt hierbei immer einen sehr hohen Stellenwert ein. Aus meinem Ursprungsland Uganda ziehe ich große Inspirationsquellen, die mir ungemein dabei helfen, meine Kreativität voll auszuleben. Dabei Dinge aus einer afrikanischen Perspektive zu kreieren und diesen Lifestyle sichtbar zu machen ist mir sehr wichtig. Ich lasse mich von allem möglichen inspirieren: Seien es Farben, Textilien, Pflanzen oder Architektur. Meine Umwelt regt mich ungemein an und lässt mich über meine afrikanische Herkunft reflektieren.

© Beatrace Oola, Kleid: Loux the vintage Guru

 

Sie haben vor einigen Jahren den Africa Fashion Day Berlin ins Leben gerufen. Was hat Sie dazu angeregt und wen möchten Sie damit erreichen?

Im Prinzip habe ich mich 2012 zur Organisation der internationalen Plattform AFDB entschlossen, als ich bemerkte, dass wir hier in Deutschland zu wenig von der afrikanischen Modeszene mitbekommen. In Deutschland wurde einfach bis dato noch kein Zugang geschaffen. Da ich das Netzwerk hatte, fasste ich den Entschluss, eine Kommunikationsplattform mit Runwayshow und Messeauftritt zu realisieren. Der Africa Fashion Day Berlin war eine Möglichkeit für Designer und Interessierte, die Vielfalt der afrikanischen Mode im Rahmen der Berlin Fashion Week zu erleben. Außerdem war mir wichtig, afrikanischen Designern auch in Deutschland eine Plattform zu geben, um ihre Modelabels und ihre Arbeit zu präsentieren und eine Art wirtschaftlichen Ausblick geben zu können.

Wichtig ist mir bei diesem Projekt gewesen, Menschen in der afrikanischen Diaspora die Möglichkeit zu geben, sich hier in Deutschland durch ihre Kleidung mit ihrer Herkunft zu identifizieren und zusätzlich, dass Made in Afrika durchaus Qualität besitzt und modern ist. Es geht um eine afrikanische Perspektive und Identitäten, aber auch darum, sich seiner Herkunft bewusst zu sein und diesen Teil seiner Identität zu wahren. Mode ist eine gute Möglichkeit, sich so auszuleben.

Der Africa Fashion Day Berlin war ein Projekt, das über 3 Jahre hinweg erfolgreich lief und heute in Form eines Online Projekts namens „Fashion Africa Now“ weitergeführt wird. Hier werden nach wie vor Events organisiert, Interviews mit afrikanischen Modedesignern präsentiert und die afrikanische Modewelt weiter in Deutschland promotet.

 

 

Was würden Sie einem afrikanischen Jungunternehmer raten, der erste Schritte im Modebuisness machen möchte?

Jeder, der einen Fuß ins Modebusiness setzen möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass man Durchhaltevermögen und ein Netzwerk braucht. Man sollte einen Plan verfolgen und nicht einfach ins Blaue hinein einsteigen. Wichtig ist vor allem das Talent! Und natürlich auch, den nötigen Einblick in die Modeindustrie zu haben, sei es durch eine Ausbildung, ein Studium oder Berufserfahrung.

 

 

Wie schätzen Sie die Zukunft afrikanischer Einflüsse auf die Faschion-Industrie ein?

Enorm! In der heutigen Zeit wird sich in hohem Maße an afrikanischen Inspirationsquellen bedient. Dabei ist gleich, welche Art von Unternehmen, aber natürlich verstärkt die Modeindustrie. In den letzten 5 Jahren hat sich das Interesse bezüglich Afrika stark gesteigert. Über afrikanische Designer, die immer mehr in den internationalen Fokus treten zu Modeketten wie Zara, H&M oder Mango wird sich mehr und mehr an afrikanischen Mustern und Prints bedient. Außerdem stieg in den letzten Jahren die Anzahl an Kooperationen alteingesessener Unternehmen mit afrikanischen Brands hoch an.

Es lässt sich außerdem eine klare Tendenz dazu beobachten, sich bewusster mit der Herkunft der eigenen Kleidung auseinanderzusetzen. Afrika ist ein Kontinent, der in Sachen Textilproduktion nicht so geschädigt ist wie beispielsweise Asien. In der heutigen Zeit wird darauf vermehrt ein Fokus gelegt.

In Zukunft wird die Tendenz hin zu afrikanischer Mode und der globalen Etablierung afrikanischer Brands wohl noch größer werden, die Sterne stehen gut. Es tut sich einiges!

 

Vielen Dank für das Interview!