Angela Merkel ist von ihrem dreitägigen Besuch in Westafrika zurückgekehrt. Sie traf sich dort mit den Regierungschefs des Senegals, Ghanas und Nigerias um vor allem über die Themen Migration und Wirtschaft zu sprechen. Dazu müssten die Menschen besser über die Gefahren einer Flucht aufgeklärt und über die Chancen und Perspektiven in ihren Heimatländern informiert werden. Außerdem müsse das verzerrte Bild von dem perfekten Deutschland und Europa, was sich in den Köpfen vieler Afrikaner eingebrannt hat, beseitigt werden.

Senegal, Ghana und Nigeria sind allesamt Reformpartner, die sowohl wirtschaftlich relevant sind, als auch als „Herkunftsländer“ im Zentrum der Migrationsdebatte stehen. Unsere Bundeskanzlerin ist gerade wegen ihrer Flüchtlingspolitik und der historischen Flüchtlingsentscheidung von 2015 sehr beliebt in Afrika.

Merkel wirbt für deutsche Investitionen in Afrika: gerademal 1000 von den rund 400000 im Ausland tätigen Unternehmen sind in dem Kontinent angesiedelt, mehr als 600 davon allein in Südafrika. Deshalb appelliert die Kanzlerin nun an deutsche Unternehmen. Das sogenannte deutsche “Afrika-Jahr 2017” hat bereits jede Menge Eckpunktepapiere, Leitlinien und Kooperationsinitiativen hervorgebracht. Viele Unternehmen sind wegen der allgegenwärtigen Korruption und Rechtsunsicherheit jedoch immer noch sehr zurückhaltend.

Merkel ist der Meinung, dass die Entwicklungspolitik überdacht und mehr in Richtung Wirtschaftspolitik gehen solle. Ein Beispiel für die Möglichkeiten der Wirtschaftskooperation ist ein Abkommen für den landwirtschaftlichen Sektor in Nigeria, das den Zugang zu Krediten vereinfachen soll, welcher in ganz Westafrika ein großes Problem ist. Gerade Jungunternehmern fehlt oft die Möglichkeit, ausreichendes Startkapital zu stellen. Ein weiteres Beispiel betrifft die Herstellung von Automobilen, die mit Volkswagen beginnen soll, und auch einen wichtigen Schritt für die Wirtschaftskooperation darstellt.

Die Themen Wirtschaft und Migration stehen sich näher als man denkt. Durch diese anlaufende Wirtschaftspolitik sollen Afrikaner von den Chancen, die sie in ihrer Heimat haben, überzeugt werden und erkennen, warum es sich nicht lohnt, sich auf den gefährlichen und riskanten Weg nach Europa zu machen. Nigerias Staatspräsident Buhari betonte selbst mehrfach, dass er gegen illegale Migration sei und diese nicht unterstütze. Ziel ist es nicht, dass Europa sich von Afrika abschottet, sondern viel mehr „Bleibeperspektiven“ zu schaffen. Merkel sagt trotzdem, dass auch Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten in Deutschland ausgebaut werden sollen.

Ob es ein Rückführungsabkommen für Nigerianer ohne Aufenthaltsgenehmigung und ohne Bleibeperspektiven in Deutschland geben soll, beantwortete Buhari nicht eindeutig. Merkel wollte im Sinne einer „Win-win“-Situation verhandeln, bei der beide Seiten Vorteile haben.  Dabei müsse auch an den legalen Möglichkeiten des Austauschs verbessert werden. Es wird geschätzt, dass etwa 30.000 Nigerianer Deutschland theoretisch wieder verlassen müssen, genaue Zahlen nannte die Kanzlerin nicht.

Auch in den Gesprächen mit Senegals Staatsoberhaupt Macky Sall in Darkar und Ghanas Präsidenten Nana Akufo-Addo in Accra verliefen ähnlich: zunächst ging es um Migration Richtung Europa, dann um Wirtschaftsangebote. Anders als Nigeria werden diese Länder aber als sichere Herkunftsstaaten eingestuft, so dass Asylanträge fast immer abgelehnt werden. Dennoch wünschen viele Senegalesen und Ghanaer nach Europa zu gehen.

Kanzlerin #Merkel nach ihrem Gespräch mit Senegals Präsident @Macky_Sall in Dakar: Der Senegal ist ein offenes Land, das sich zum Multilateralismus bekennt und Verantwortung übernimmt. Dass sich junge Menschen auf den Weg von Afrika nach Europa machen, habe leider auch mit falschen Vorstellungen zu tun. Umso wichtiger sei es, dass die Menschen von staatlicher Seite richtigen Informationen erhielten. — Chancellor #Merkel after her talks with Senegal's President @Macky_Sall in Dakar: "Senegal is an open country that is committed to multilateralism and accepts responsibility. Unfortunately, the fact that young people are on their way from Africa to Europe has something to do with misconceptions. This makes it all the more important that people receive the right information from the state.

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Sall forderte, gemeinsam Lösungen zu finden, damit die jungen Menschen auf dem Kontinent bleiben und auch eine Chance haben: dabei geht es ihm weniger um die illegale Migration und die damit verbundenen Gefahren, sondern mehr darum, die Würde Afrikas zu wahren. Die Flucht vieler junger Afrikaner sei eine Schande. Für den Senegal ist deshalb ein Investitionsprogramm für den ländlichen Raum sowie eins zur Schaffung von Arbeitsplätzen für junge Menschen entworfen worden. Aber der Frage, wie Senegal dafür sorgen kann, dass seine rund tausend Staatsbürger, die ohne legalen Aufenthaltstitel in Deutschland leben, wieder zurückkehren, wich auch er ähnlich wie Buhari aus.

Die Kanzlerin hätte allerdings gern die Zusage der Staaten, sich aktiver bei der Aufnahme von Bürgern, die sich illegal in Deutschland aufhalten, gehabt. Wie unkompliziert es gehen zeigte sich im vergangenen Jahr, als zahlreiche afrikanische Regierungen nach einem CNN-Bericht über Sklavenmärkte in libyschen Flüchtlingslagern ihre Bürger in die Heimat zurückholten.

Der Ghanaische Präsident sagte, seine Regierung werde natürlich mit den deutschen Behörden zusammenarbeiten, um die rund 4000 Ghanaer, die derzeit ohne Aufenthaltstitel in Deutschland leben, wieder aufzunehmen, er sei sich aber auch sicher, dass sie „überglücklich“ wären, wenn sie in Deutschland bleiben dürften.

Auch wenn Angela Merkel in den Gesprächen um die illegale Migration nicht ganz das erreicht hat, was sie sich erwünscht hatte, kann man trotzdem von einer erfolgreichen Reise sprechen. Schließlich stoß sie bei allen drei Präsidenten auf Zustimmung, was ihre Ideen der Aufklärung über die Bleibeperspektiven in der Heimat und die Gefahren der Auswanderung betreffen. Und auch was die wirtschaftliche Perspektive betrifft, konnte sie den Staatsoberhäuptern sehr zufriedenstellende Angebote machen.