In diesem Punkt sind sich nicht nur die Anthropologen einig: Die Wurzeln unserer Species befinden sich in Afrika, hier begann vor knapp 7 Millionen Jahren das “Projekt Menschheit” allmählich Gestalt anzunehmen. Auch in kultureller Hinsicht muss man dem afrikanischen Kontinent eine Vorreiterrolle zusprechen: so gilt Ägypten als eine der ersten Hochkulturen (3100- 300 v. Chr.) überhaupt – vermutlich wurde hier auch die Schrift erfunden.                    In den Blombos-Höhlen in Südafrika wurden vor  77000 Jahren Steingravuren angefertigt – und sind somit die ältesten bekannten Kunstwerke der Menschheit, der Ursprung künstlerischen Schaffens. Unsere populäre Musik wäre ohne den afrikanischen Einfluss so nicht denkbar … und hätte man im 9. Jahrhundert in Äthiopien nicht mit dem Anbau von Kaffee begonnen, wir würden vermutlich alle etwas unausgeschlafener zur Arbeit gehen.

Aber im Ernst, wie stark hat Afrika und seine kulturellen Errungenschaften wirklich das Leben auf dem Planeten geprägt? Und wie wird diese Bedeutung wahrgenommen? Welches traditionelle Wissen und welche Kulturgüter haben die Zeit der Geschichte überdauert, eine Geschichte die es nicht immer gut mit dem Kontinent meinte. Welches alte Wissen ist vermutlich verschwunden? Und noch weiter: Kann man überhaupt von der einheitlichen afrikanischen Kultur sprechen, bei über 50 teils sehr unterschiedlichen, facettenreichen Staaten? Diese Fragen mögen teils rhetorischer Natur sein, dennoch besteht Klärungsbedarf – eine Aufgabe, der sich das Musée des Civilisations noires (MCN), das im Dezember in der senegalesischen Hauptstadt Dakar eröffnet wurde, verschrieben hat.

Der geistige Grundstein für dieses Projekt wurde in den 1960er Jahren durch Senegals ersten Staatspräsidenten Senghor auf dem Festival Mondial des Arts Nègres (1966) gelegt. Ganz im Geiste des Panafrikanismus – einer intellektuellen Bewegung , mit der man ein kollektives, afrikanisches Bewusstsein etablieren  und sich von den Zeiten der Kolonialisierung verabschieden wollte – sprach sich Senghor für den Bau eines Museums aus, “um das afrikanische Kulturgut nach den Jahrhunderten der europäischen Kolonisation sichtbar zu machen”. Doch es sollten erst 45 Jahre vergehen, bis das Projekt vom ehemaligen Staatschef Abdoulaye Wade wieder aufgegriffen und unter dem jetzigen Präsidenten Macky Sall vollendet wurde.

Das 14.000 Quadratmeter große Museum – ein modernes rundes Glasgebäude, das eine umgekehrte afrikanische Hütte symbolisieren soll – bietet auf mehreren Stockwerken Platz für ca. 80 000 Exponate in einer enormen Bandbreite. Sowohl die Evolutionsgeschichte ist mit archäologischen Funden von Hominiden vertreten, technische Entwicklungen, wie die Erfindung des Eisens  als auch zeitgenössische und moderne Kunst– Gemälde, Skulpturen und Videoinstallationen –  kann man hier erleben. In geographischer Hinsicht reicht die  Spanne von Südafrika zu den nordafrikanischen Staaten bis in die afrikanische Diaspora – u.a. nach Brasilien und den USA. Weiterhin gibt es  auch ein Auditorium für Vorträge und Kolloquien rund um das Thema “afrikanische Kultur”.

Dennoch soll es kein rein ethnografisches Museum sein, so Museumsdirektor Hamady Bocoum. „Das ist ein Museum von Afrika, der Diaspora und der Welt“ so Bocoum und setzt dabei ganz auf den panafrikanischen Gedanke: Die Geschichte Afrikas aus der eigenen Perspektive erzählen und ein einheitliches, gemeinsames afrikanisches Selbstverständnis repräsentieren.

Dass es Kritiker gibt, die die “Afrika aus der Perspektive Afrikas”-Philosophie des Museums anprangern, macht andernorts sprachlos, denn darum geht es ja: Eine afrikanische Kultur zu zeigen, die nicht mit europäischen Wertevorstellungen beurteilt wird und deren Künstler man nicht mit dem Exotenbonus behaftet und die durch die feuilletonistische Brille westlicher Medien betrachtet werden.

Bleibt zu hoffen, dass das Musée des Civilisations noires mit seinem Anliegen erfolgreich ist und – nicht nur in kultureller Hinsicht – Afrika als das zeigt, was es ist: Ein facettenreicher, lebendiger Kontinent mit großer Vergangenheit, ein Fundus an Wissen und großem Potential…..und die Heimat von uns allen, der Ursprung unseres gemeinsamen “Projektes”.