Die 31 jährige Asmaa Sbou aus Mannheim, bringt mit ihrem Label Sboutiful die Mode junger afrikanischer Designer nach Deutschland. Auch sie selbst designt gerade ihre ersten Stücke. Mit Sboutiful geht es ihr hauptsächlich um Awarenessarbeit, um klar zu machen, dass Afrika eine unfassbar ausgeprägte Alternativszene, Kulturszene hat, und Mode ein Teil ist, den sie hier in Deutschland zeigen will. Das heisst im Klartext: Bewusstsein und Mut für die eigene Identität und den eigenen Stil zu schaffen und allen Menschen Kleidung mit Ausdruck und Haltung näher zu bringen.

 

Die Jungunternehmerin mit marokkanischen Wurzeln sagt von sich selbst sie sei eine auffällige Person und das sei sie gerne. Sich seiner selbst, seiner Wurzeln und seiner Einzigartigkeit bewusst zu sein sei das, was jeden ausmacht. Wir haben Asmaa Sbou in ihrem Pop-Up Store in Mannheim besucht.

Pop-Up Store Mannheim/Jungbusch (22.10.18 – 27.10.2018)

 

Was ist die Geschichte zur Gründung von Sboutiful?

Das Label ist 2017 entstanden. Ein Freund animierte mich, doch einfach mal anzufangen, anstatt nur zu träumen und zu planen. Also habe ich ausgewählte Mode eingekauft und mir schicken lassen. Ich habe begonnen Werbung zu schalten und eine Website zu kreieren. Ich hab also erstmal ganz klein mit meinem eigenen Start-Up losgelegt.

 

Ich hatte keine Möglichkeit, die Produkte in Deutschland zu beschaffen, also machte ich es mir zum Ziel, diese vor Ort einzukaufen und in Deutschland einen neuen Markt zu kreieren.

 

Mit Sboutiful machte ich es mir also zur Mission die verschiedenen Kulturen zu verbinden, ein bisschen Afrika nach Deutschland zu bringen. Der Stil von Sboutiful ist Sbou + Beautiful: Mir geht es um wahre Schönheit und darum man selbst zu sein, seine afrikanischen Wurzeln zu schätzen, ein Warrior zu sein, eine Diaspora zu sein, den Mut zu haben und zu zeigen, dass man gerne anders ist. Damit möchte ich ein gewisses Bewusstsein schaffen und eine Botschaft verbreiten: Afrika ist nicht nur – wie viele meinen – dieser arme Kontinent, sondern besitzt eine unfassbar kreative Szene. Und die Szene, in der ich affin bin, in der ich mich auskenne, ist die Mode.

 

Sobald die Menschen auf einer kreativen Ebene sind, ist kein Background mehr von Bedeutung. Es ist egal, welchem Geschlecht, welcher Ethnie oder welcher Religion du angehörst, bei kreativer Arbeit findet keine Ausgrenzung statt. Diese Erfahrung habe ich mit einem Kulturprojekt in Kapstadt verstanden, als wir ein Kollektiv aus Musikern, Designern und Tänzern hatten. Und durch diese mögliche Verbindung zu den Menschen möchte ich ein Bewusstsein schaffen und ganz fokussiert sagen: „Wir sind anders“ – Jeder mit seiner eigenen Herkunft, seinen Wurzeln und Erfahrungen ist anders – Und das ist gut so. Die Menschen sollten angenommen, akzeptiert und respektiert werden wie sie sind. Jedoch geht der Respekt vor anderen sowie die das Bewusstsein für eben diese Diversität im Alltag und in der Gesellschaft leider häufig unter. Dem möchte ich entgegengehen. Deshalb sage ich: „Tragt Farbe und macht bekannt, wer ihr seid und wofür ihr steht. Tragt eure Einstellung und eure Wurzeln mit einem gewissen Stolz.“

 

Und da bin ich auch glücklicherweise sehr schnell auf positive Resonanz gestoßen.

 

Was ist Deine Vision für Dein Label?

Ich möchte erreichen, dass die Menschen sich trauen. Sie sollen sich zu sich selbst bekennen, ihre Kleidung mit Haltung tragen, zu sich selbst stehen und diesen Mut auch ausstrahlen. Ich möchte, dass meine Mode einen Austausch entstehen lässt und eine Gemeinschaft schafft.
Des Weiteren soll sie gegen den Massenkonsum und für die Wertschätzung von Kleidung und Menschen stehen.

 

Wie arbeitest du in Sboutiful und wie bringst du Mode und Bewusstsein unter die Leute?

 

Ich hatte bisher 2 Stores, einen in Mannheim und einen in Berlin. Sonst war ich teilweise auf Messen, zum Beispiel auch auf einer Fashion Messe in Frankfurt. Demnach beschränke ich mich mit Sboutiful auf Deutschland. Die meisten Käufer waren und sind – wie für Start-Ups so üblich – zunächst Freunde und Bekannte. Vieles läuft über Social Media und auch über Mund-zu-Mund-Propaganda.

 

Mein Wunsch ist in erster Linie, die Diasporas anzusprechen, aber meine Käufer kommen von überall her. Die unterschiedlichsten Leute kaufen die Produkte. Immerhin sind die Designs für alle Menschen, die auffallen und scheinen möchten, für alle, die es verstehen, Kleidung als Message, als Statement zu tragen. Hauptsache das Bewusstsein wird verbreitet. Gerade auch durch den persönlichen Kauf, durch Gespräche, dadurch, dass die Leute bei mir vorbeischauen, aber auch durch das Bewundern anderer, die meine Mode kaufen und tragen, wird dieses Bewusstsein weitergegeben. Das ist auch der Grund, warum ich keinen Online-Shop habe.

 

Wie beschreibst du den Stil von Sboutiful? Wie findest du die Kleidungsstücke, was entwirfst du?

Meine Mode – und auch die, die ich einkaufe – tendiert in die Richtung Afro-Punk, da diese hauptsächlich auch meinen persönlichen Stil vertritt.  Ich bin gerade an meiner eigenen Kollektion dran und habe bisher schon einige Kimonos sowie Taschen entworfen und hergestellt.

 

Außerdem habe ich einen festen Stamm von sechs Designern. Diese kommen aus Afrika – aus Marokko, Ghana, Kenia und Südafrika – und beliefern mich mit Kleidung, Schmuck, Jacken, Taschen und vieles mehr. Sonst bin ich auch stets auf der Suche nach neuen Designern und Kleidungsstücken. Auf viele stoße ich durch Social Media, hauptsächlich Instagram, aber auch durch Erfahrungsberichte, Empfehlungen, eben Mund-zu-Mund-Propaganda. Ich gehe direkt auf die Designer zu, schreibe ihnen und frage an, ob ein Interesse an einem Geschäft mit mir besteht. Hierbei kooperiere ich lediglich mit afrikanischen Designern, mit African Originals, die selbst eine Modelinie haben und nachhaltig, regional und fair trade vor Ort in Afrika produzieren.

 

Das richtige Kalkulieren ist dabei natürlich sehr wichtig. Ich konnte sehr schwer einschätzen, wie das Label und die Mode in Deutschland ankommen würde, der Ankauf ist immer mit einigen Unsicherheiten verbunden. Daher fange ich klein an, ich kaufe kleine Mengen an Kleidungsstücken. Stoße ich auf Erfolg, dann kaufe ich die Kleidung einfach nach. Manche Dinge sind auch schlichtweg Einzelstücke. Daher habe ich auch kein Lager. Das, was ich hier in dem Pop-Up-Store anbiete, ist auch alles, was ich besitze und verkaufe.

 

 

Pop-Up-Store Mannheim/Jungbusch

 

Was bedeutet Mode für dich?

Mode ist für mich der Ausdruck des inneren Selbst. Sie sagt viel über einen jeden Menschen aus. Ich vertrete mit ihr ein ganz klares Statement: Wie will ich sein und wie will ich wirken? Wer will ich heute sein?

 

Ich ziehe mich so an, wie ich mich heute fühle. Und dabei liebe ich es, Mut auszustrahlen, mich so zu zeigen wie ich bin – mit bunten, auffälligen Farben und Mustern. Wir erzählen eine Geschichte mit Mode und repräsentieren uns selbst. Durch Mode wird ein gewisses Wissen und auch eine kulturelle Geschichte vertreten.
Mit meiner Mode kann ich beispielsweise ein bisschen Afrika nach Deutschland bringen für die Menschen, denen es hier vor Ort fehlt.

 

Wichtig ist mir hierbei vor allem, dass die Stoffe fair trade und regional sind. Die Designer und Produkte sind, wie gesagt, einheimisch, regional aus Afrika – die Mode soll authentisch sein.

 

Was hast du vor der Gründung deines eigenen Labels gemacht?

Bevor ich mein Label gegründet habe, habe ich in Mannheim an der Universität BWL studiert. Im Anschluss bin ich nach Südafrika gezogen. Dort habe ich als Marketing Manager im Print gearbeitet. Nach 1,5 Jahren bin ich nach Costa Rica und Mexico gezogen und habe dort im Tourismus und in Medienfirmen gearbeitet. In Deutschland haben mir die beruflichen Reibungspunkte gefehlt.

Bewusst habe ich mich entschieden, ohne sterotypische Erwartungen in ein Land wie Südafrika zu reisen, um dann vor Ort die Erfahrungen zu machen, die mich zu dem Punkt der Selbstständigkeit gebracht haben, an dem ich heute stehe.  Ich konnte local sein für den Moment, in dem ich in diesem Land war.

 

Wo fühlst du dich Zuhause?

Ich fühle mich in Ländern zu Hause wo ich durch meine Anpassung auch ein Local sein kann. Diese Erfahrungen habe ich in vielen Ländern machen dürfen. Ich bin in meiner Kindheit und Jugend viel umgezogen, weshalb ich vor allem durch mich selbst Zuhause sein kann. Das, was ich erreichen möchte, liegt in mir. Es geht vielmehr um meine Wurzeln, mein körperliches und gedankliches Zuhause, das ich einzig und allein in mir finden kann.

 

Und ich merke das momentan sehr: Mein Label und ich kommen an, dadurch, dass wir – Black und PoC (BPoC) – diese Community gründen. Es geht darum, durch Sboutiful eine gewisse BPoC-Community zu gründen. Das alles ist ein Prozess, die anfänglichen Ideen des Labels dürfen sich auch verändern. Das findet jetzt gerade stattt. Deshalb werde ich erst einmal hier bleiben. Wir blühen gerade auf.

 

Was sind deine Ziele für dich und das Label?

Früher wollte ich immer ein Kultur-Café gründen, mittlerweile habe ich mir eher eine Kultureinrichtung zum Ziel gesetzt. Ich möchte Menschen unserer Kultur sichtbarer machen, die Möglichkeit geben, Kulturen kritisch zu durchforsten und gemeinsam zu wachsen. Die Türen sollen dann natürlich für alle offen stehen. Für alle mit anderen Wurzeln, für alle, die anders denken, andere Gedankenstrukturen haben. Ich möchte über Kulturen aufklären. Es sollen alle Themen auftauchen: Kulturpolitik, Tanz, Performances, Theater, Musik.

 

Daher bin ich gerade mit anderen Menschen und Start-Ups gemeinsam auf der Suche nach einem Laden, in dem es dann aber nicht nur um Mode gehen soll, sondern eben um afrikanische Produkte, um die afrikanische Diaspora, um Bewusstsein zu schaffen und die kreative Szene Afrikas in Deutschland zu etablieren. Welche Formen das annehmen wird, wird gerade diskutiert und besprochen.

 

So wie ich jetzt beispielsweise mit dem frisch gebackenen Start-Up The Natural Guys hier in diesem Pop-Up-Store sitze, möchte ich mit Leuten einen festen Sitz finden. Eine eigene Kultureinrichtung mit Raum für Gemeinschaft, Diskussionen, Performances, Black Empowerment, Antirasissmus-Workshops und Produkten.

 

 

Für welche weiteren Projekte engagierst du dich?

Ich bin als freiberufliche Kulturschaffende hier in Mannheim tätig. Also arbeite ich für verschiedene Kultureinrichtungen hier in der Nähe. Zuletzt war ich bei Zeitraumexit. Darüber hinaus werde ich mittlerweile auf zahlreiche Diskussionen eigeladen.
Ich möchte auch weiterhin nebenher als Kulturschaffende tätig sein, jedoch sollen diese Projekte auch meine Haltung und mich widerspiegeln. Ich will für das arbeiten, was mich persönlich ausmacht, was meine Stärken sind und wofür ich geschätzt werde.

 

Mein Hauptfokus liegt aber auf jeden Fall weiterhin auf Sboutiful.

Teaser:
Wie die Jungdesignerin Asmaa Sbou den Stil ihres Labels beschreibt?
Afropunk! Für sie bedeutet Schönheit “sich selbst zu sein, seine afrikanischen Wurzeln zu schätzen, ein Warrior zu sein, eine Diaspora zu sein, den Mut zu haben zu zeigen, dass man anders ist.” Das ganze Interview gibt’s jetzt bei uns!

Wann und wo Asmaa Sbou ihre nächsten Pop-Up-Stores öffnet gibt sie auf Facebook und Instagram bekannt.