Die deutsch-ivorische Theater/Performance-Gruppe Gintersdorfer/Klaßen hat einige Projekte im Petto.

 

Seit 2005 tritt die Gruppe, von Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen ins Leben gerufen, in ganz Deutschland und mittlerweile auch in der Schweiz mit ihren Theaterinszenierungen auf.

 

Bekannte ivorische und deutsche Künstler, ausgebildete Schauspieler und/oder Tänzer, wie Franck Edmond Yao, Gotta Depri, Ted Gaier, Melisse Logan oder Hauke Heumann sind mit von der Partie und vereinen ihre Persönlichkeiten sowie ihre eigene Kultur in den Stücken.

 

Theater, Drama und Tanz, der Kultur von Europa, von Deutschland, und Afrika – Gintersdorfer  und Klaßen arbeiten gemeinsam mit ivorischen und europäischen Künstlern, sie rezipieren bekannte Stücke wie „Die Entführung aus dem Serail“ (Mozart) oder „Nathan der Weise“ (Lessing), überarbeiten diese, analysieren und interpretieren sie auf eine ganz eigene Weise.

 

 

Auf diese Art haben sie viele unterschiedliche Projekte am Laufen, mit denen sie nicht nur am Theater Bremen spielen, sondern auch touren. So waren sie im Sommer in Mannheim und in den letzten Wochen in Luzern. In den nächsten Wochen und Monaten treten sie in Bremen und Berlin auf, aktuell mit diesen Stücken:

 

Kabuki noir – bei der Gintersdorfer/Klaßen die traditionelle japanische Form durch die Begegnung mit Codes aus dem ivorischen Couper Décaler und postmodernen Tanz in ein neues hybrides Bühnenritual verwandelt. Hierbei trägt das Stück, anders als im homogenen traditionellen japanischen Kabuki, die kulturellen Differenzen des Teams in sich.

 

Nathan der Weise – der sich durch die Gruppe mit den religiös-politischen Kämpfen von heute auseinandersetzt: „Ein Islam, der oder der nicht zu Deutschland gehört, Markus Söders Kruzifix-Initiative, Jeff Sessions, der mit dem Apostel Paulus eine rigide Kriminalisierung von Migration rechtfertigt, alter und neuer Antisemitismus in Deutschland, und die immer inhumaner werdende Flüchtlingspolitik einer christlichen Partei.“

 

Les robots ne connaissent pas le blues oder Die Entführung aus dem Serail – Mit der ersten deutschen Nationaloper von Mozart als Ausgangspunkt setzt sich die Performance-Gruppe thematisch und musikalisch mit dem System der Oper sowie mit dem Aufeinandertreffen von heterogenen Kulturen auseinander und fabriziert einen Kulturclash auf der Bühne: Künstler und Publikum werden dabei mit ungewohnten Situationen konfrontiert. „Spontaneität und Improvisation sind in der Oper selten und können Stress auslösen; andersherum verunsichern die genau festgelegten Abläufe des Musiktheaters die ivorischen Showbizstars“.

 

 

Mit Witz und Ehrlichkeit, mit Kritik und Moral, auf Deutsch, Englisch und Französisch versteht es die Gruppe einen jeden in der ihm eigenen, ihm gemäßen Sprache anzusprechen.

Das Publikum wird hierbei direkt einbezogen, integriert und hauptsächlich zum Nach- und Mitdenken animiert. Die herkömmlichen Grenzen des Theaters werden hierbei gänzlich verschoben. Wie das Publikum an sich, sind auch Theater und Künstler freier unterwegs.

Durch moderne Musik, Beats, coupé-décalé (ivorische Musikrichtung), modernen Tanz im Opernhaus und dennoch ein Orchester, Streicher, Pauken, Bläser, professionelle Opernsänger und Arien, sind die Theaterstücke nicht nur zum Anschauen, sondern vor allem zum Mitfühlen konzipiert.

 

„In unserer künstlerischen Arbeit sprechen wir von den Schwarzen und den Weißen, höchst unkorrekt und unpräzise, aber deswegen oft nah an dem Denken, das die Wirklichkeit bestimmt, die unkorrekt und unpräzise ist. Wir denken in zwei Systemen und machen Aufführungen, die von europäischem und afrikanischem Publikum mit tausend Missverständnissen gemocht und gehasst werden. Nicht relativieren, nicht aufklären, nicht ironisieren, sondern insistieren, bis es lebt!“ – Monika Gintersdorfer

 

Heute beginnt die (vielleicht) letzte Runde von "Les robots ne conaissent pas le blues oder Die Entführung aus dem Serail" Vorstellungen!

Gepostet von Patrick Zielke am Freitag, 21. September 2018