Ein großes Turnier, bei dem die eigene Nation um einen prestigeträchtigen Titel spielt – was könnte es schöneres geben für einen Fußballfan? Beim gerade stattfindenden Afrika-Cup jedoch ist die Situation für Fans problematischer denn je.

Denn nicht nur für die Fans ist der Wettkampf ein wichtiges Ereignis: Das Regime des Gastgebers Ägypten weiß natürlich um dessen Bedeutung und internationale Präsenz. Diktator Sisi ist tunlichst darum bemüht, das Großereignis unter Kontrolle zu halten; über die sozialen Medien kündigte die Regierung an, man werde rund 15.000 Polizisten und Soldaten auf die Straßen schicken. Argumentiert wird, dass die Sicherheit gewährleistet werden solle. Es ist aber die Angst vor der geballten Masse der Fangruppierungen, die das Regime zu solchen Maßnahmen treibt.  Im Februar 2012 kamen bei Ausschreitungen in einem Stadion 74 Fans ums Leben. Nach Ansicht der Ultras der Fußballvereine al-Ahly und Zamalek geschah dies nicht aufgrund rivalisierender Fans, sondern war vielmehr ein gesteuerter Akt der Regierung. Es könnte eine Vergeltung gewesen sein für Proteste der Fußballfans aus dem Jahr 2011, die dazu führten, dass der damalige Staatschef Husni Mubarak gestürzt wurde.

Seit dem vergangenen Sommer müssen sich die Fans registrieren, wenn sie Tickets kaufen wollen. Damit sollen die Ultras ferngehalten werden. Um das große Turnier in diesem Jahr nicht zu gefährden, sind bereits im Vorfeld mindestens 30 Fans verhaftet worden, denen Terrorismus vorgeworfen wird. Allem Anschein nach will Diktator Sisi um jeden Preis verhindern, dass das von ihm verbreitete Bild seines Landes durch die Ultras Schaden nimmt.

Umso wichtiger ist es, dass gerade die Menschen mit Einfluss sich nicht einschüchtern lassen, in diesem Fall die Fußballprofis. Liverpool-Star Mohamed Salah macht den Anfang: Der Flügelstürmer posierte mit dem ehemaligen Fußballspieler Abou Trika für ein Foto, welcher in Ägypten als Staatsfeind gilt.

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Spannung verspricht das Turnier aufgrund der sportlichen Konstellation, Sorgen bereitet die Gewaltbereitschaft sowohl der Regierung als auch der Fans. Egal was sich während des Turniers ereignet – es könnte ein Vorgeschmack auf die Mega-WM in Katar 2022 werden, die seit der Vergabe bereits scharf kritisiert wird.