Von Fotografie: NASA – NASA World Wind, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=654760

Der Turkana-See im Norden Kenias zählt zu den größten Endseen der Welt. Er ist über vier Millionen Jahre alt und mit seinen 6405km² außerdem das größte Binnengewässer Kenias und der größte Wüstensee der Erde. Er ist elfmal so groß wie der Bodensee. Und er trocknet aufgrund des gigantischen Staudammes Gibe III im Omo langsam aus. Er versalzt immer mehr und sein Wasserspiegel sinkt ab, da er durch den Omo, den Turkwel und Kerio zwar Zuflüsse hat, aber durch Verdunstung mehr Wasser verliert und sich die Mineralsalze anreichern.

Автор: Mimi Abebayehu – собственная работа, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/ index.php?curid=67979247

Die UNESCO hat ihn im Juni auf die Rote Liste der gefährdeten Weltwerbe gesetzt. Der Staudamm, der für das Austrocknen verantwortlich gemacht wird, wurde 2016 im nördlichen Teil des Sees in Äthopien fertiggestellt. Die örtlichen Behörden haben mit Hilfe des Staudammes Wasser aus dem Omo-Fluss zur Bewässerung der gigantischen Zuckerrohr- und Baumwollplantagen abgezwackt. Der staatliche Energieversorger nutzt ihn ebenfalls für ein Wasserwerk, das helfen soll, die nationale Energiekrise in den Griff zu bekommen und der nationalen Wirtschaft auszuhelfen. Der Omo ist mit 80% der wichtigste Zufluss des Sees.

Im Omo-Tal in Äthopien leben zudem mehrere verschiedene Völker mit und 200000 Angehörigen, die teilweise sehr unter dem Staudamm und der neu entstandenen Plantagen litten. Viele wurden gewaltsam zur Umsiedlung gezwungen und verloren somit ihr Land und ihre Lebensgrundlage: sie waren von den natürlichen Flutungen des Omos abhängig, da sie in den regelmäßig überschwemmten Gebieten Landwirtschaft betrieben. Außerdem versorgte der Fluss sie mit Wasser und Fischen.

Von AnnaMaria Donnoli – Vittorio Bianchi, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php? curid=20469549

Survival International berichtet von verhungernden Menschen und wiederholten Übergriffen und Misshandlungen, wenn Angehörige indigener Völker versuchten über ihre Situation zu besprechen. Viele Gemeinden weigerten sich in staatliche Dörfer umzusiedeln. Survival setzt sich weltweit für indigene Völker ein, um ihr Leben, ihr Land und ihre Zukunft zu schützen. Auf ihrer Homepage findet ihr alle Infos zu ihren Projekten und zum Thema Spenden!

Der Staudamm wirkt sich ebenso auf die indigenen Völker in Kenia aus, die um den See herum wohnen. Ikal Ang’elei, Direktor der NGO „Friends of Lake Turkana“ (FOLT), hofft, dass das Zeichen des UNESCO-Welterbekomitees Äthopien eine Warnung sein sollte, weitere

By International Hydropower Association [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/ 2.0/)] via flickr

Dämme am Omo-Fluss zu bauen. In Zusammenarbeit mit anderen Organisationen setzen sich die FOLT seit Beginn gegen die Pläne der äthiopischen Regierung ein, erarbeitet Studien, informiert die Öffentlichkeit und Politik. Ein Forscher warnte bereits Jahre vor dem Bau, dass der Damm den Zufluss des Sees um ca. 50% verringern und der Wasserstand keine 10m mehr betragen würde. Die Region hatte vorher schon mit den Folgen des Klimawandels, mit ausbleibenden Regenzeiten und häufiger wiederkehrenden Dürreperioden, zu kämpfen.

 

Das Welterbekomitee erklärte, dass der Damm zu einer Senkung des Wasserpegels im gesamten Gebiet geführt habe  und keine regelmäßigen Flutperioden mehr existieren. Dies wird auch zu einem schrumpfendem Fischbestand und einem gestörten Ökosystem führen. Trotzdem plant die äthopische Regierung bereits den Bau eines weiteren Staudammes: Koysha, oder auch Gabe IV genannt.

By AdamPG (File:Lake turkana.jpg from en.wikipedia.org) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons

Der Tourismus ist in der Gegend auch stark zurück gegangen. Da sich der Tucana-See, der aufgrund seiner türkisgrünen Farbe auch “Jade-Meer” genannt wird, mitten in den Dürren befindet, verirren sich eher weniger Touristen hierher. Es gab Zeiten, da war das noch ganz anders: in den späten Achtzigerjahren feierten die Promis dort schicke Parties oder Pool-Shootings fanden statt für Mode-Magazine.  Es gibt viele verschiedene Gründe für die Krise des Tourismus in Kenia wie zum Beispiel politische Unruhen, Stammeskonflikte oder Piraten an der Küste. Wer trotzdem den Sibiloi-Nationalpark an der Ostküste des Sees besuchen will, kann zumindest davon ausgehen, ihn fast für sich alleine zu haben. Jährlich besuchen nicht mehr als 500 Touristen den keniaischen Nationalpark.

By Peter Etelej [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/ 2.0/)] via flickr

Der See allein hat aber einiges zu bieten: Central Island, eine vulkanisch aktive Insel inmitten des Sees ist ein Vogelparadies mit Kormoran-Kolonien, Pelikanen, Reihern, Störchen und Flamingos, die in den Kraterseen mit ihren unterschiedlichen Salzkonzentrationen und Farben leben. Im Crocodile Lake der Central Island sind wie der Name schon gesagt tausende Krokodile zuhause. Mit rund zehntausend Tieren ist dies die höchste Krokodilkonzentration in ganz Afrika! Central Island ist nach South Island die zweitgrößte Insel im

  Turkana-See.

Leider ist auch diese Insel gefährdet, obwohl er so schwer zu erreichen ist. Bis zu zwei Meter hohe Wellen und gefährliche Winde erschweren die Fahrt zu der Insel, viele lokale Fischer kentern und ertrinken. Trotzdem erreichen immer mal wieder Wilderer die Insel, schießen auf Flamingos oder fangen die Tilapias, die Futterfische der Krokodile. Den örtlichen Rangern fehlen Zeit und Geld um die Insel durchgängig zu überwachen.