Laut Weltwirtschaftsforum liegt Ruanda in Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter auf Platz fünf, noch vor Deutschland auf Platz zwölf. Ruandas Parlament war 2008 die erste Volksvertretung der Welt, in der anteilig mehr weibliche als männliche Abgeordnete saßen.

Leider muss man dazu sagen, dass die Frauen in Ruanda keinesfalls an Einfluss gewannen, weil Männer dies für richtig hielten, sondern weil in den einhundert Tagen der Gewalt gegen die Tutsi-Minderheit,  mindestens 800.000 Menschen ihr Leben ließen – überwiegend Männer. Nach dieser Zeit, war circa 70% der Bevölkerung weiblich. So kam es, dass die Frauen sämtliche Jobs übernahmen.

Neun Jahre nach dem Völkermord, 2003, bekam das Land eine neue Verfassung, nach der Männer und Frauen nun gleichgestellt waren. Seien es Angelegenheiten in der Politik, Bildung, Landwirtschaft, Infrastruktur oder Equal Pay, Geschlechter-Ungleichheit ist in Ruanda längst kein Thema mehr. Ruandas Frauen sind stark und erfolgreich – sie haben das Land neu aufgebaut, als es nach dem Genozid bei null anfangen musste. Felder wurden neu bestellt, Straßen und Häuser gebaut, die Frauen teilten die rund 100.000 Waisenkinder unter sich auf und erkämpften sich nach und nach mehr Rechte, die sie zuvor nie gehabt haben. Sie blieben stark, obwohl auch sie sehr während dieser grausamen Zeit sehr leiden mussten.

Trotzdem ist Ruanda immer noch ein autoritärer Staat, regiert von einem Mann: Paul Kagame. 1994 kämpfte sich der Tutsi aus dem Exil zurück, vertrieb die radikalen Hutu mit seinen Soldaten und wurde 2000 zum offiziellen Präsidenten des Landes. Letztes Jahr ließ er sich zum dritten Mal zum Präsidenten wählen und darf es nach einer Verfassungsänderung auch bis 2034 bleiben.

Autoriärer Staat hin oder her, Kagame unterstützte die Frauenpolitik, wenn auch teils aus egoistischen Gründen, weshalb er auch “Entwicklungsdiktator” genannt wird. Schließlich braucht auch er die Arbeitskraft der Frauen.

Ruanda ist heute fortschrittlich in Forschung, Wirtschaft und Umweltschutz. Stetiges Wirtschaftswachstum, flächendeckende staatliche Krankenversicherung und eine gesamt demokratische Entwicklung. Dennoch gilt es einige Fortschritte für die Frauen, besonders in den privaten Haushalten, zu erzielen.

Für viele Männer ist es in Ruanda auch heute noch selbstverständlich, dass ihre Frauen neben des Jobs noch Haushalt, Kinderbetreuung und Pflege zu übernehmen haben. Um diese Geschlechterrollenverteilung zu bekämpfen, gibt es Initiativen und Projekte wie die der Nichtregierungsorganisation Rwamrec: die Organisation bietet Gruppentherapien an, in denen Paare mit Moderatoren die Chance haben ihre Probleme zu besprechen. Diese Therapie habe schon vielen Frauen geholfen, sich gegen diese Rollenverteilung und andere Probleme wie häusliche Gewalt zu wehren und somit ein friedlicheres Leben zu führen.