Es liegt in der Natur des Menschen neugierig zu sein, vor allem was die eigene Situation betrifft. Wie Klatschtanten spitzen wir unsere Ohren, wenn es auch nur den leisesten Hinweis darauf gibt, welche Geheimnisse über unser Leben und Werden die Welt birgt und erst nach einer bestimmten Zeit – meist zu spät – offenbart. Und manchmal, wenn es zu leise ist, dann gibt es immerhin noch die Wahrsager, die uns aushelfen können. 

Wahrsagerei in der afrikanischen Kultur

Wahrsagerei ist ein fester Bestandteil afrikanischer Kultur und ist vor allem in Westafrika eine Konstante von großer Bedeutung, bei der es darum geht, spezielles Wissen zu suchen, Dinge zu verstehen und die Zukunft vorherzusagen. Der Wahrsager oder die Wahrsagerin als Auserwählte/r kommuniziert dafür mit einem Metawesen, den Göttern oder den Ahnen und nicht selten wird das Medium von der angefragt übernatürlichen Entität besessen. WahrsagerInnen sind aber auch Heiler, Beschützer der Menschen und Bewahrer von Geschichte.

Zukunftvorhersagende Tiere

Für gewöhnlich nehmen WahrsagerInnen über Objekte und Lebewesen Kontakt zur spirituellen Welt oder der Welt der Toten auf. Im antiken Afrika benutzten sie oft Tiere, Insekten und Nagetiere, je nach Funktion der Frage, die gestellt wird. Im Volksstamm der Higi und Kapsiki aus Kamerun waren Krabben das Medium der Kommunikation. Spezielle Gesänge nahmen Besitz von der Krabbe, danach wurde sie in den Sand entlassen. Dort hinterließ sie ein Muster, das gedeutet, wobei manchmal auch ihr Gang zur Interpretation genutzt wurde. 

Krabbe by djhixson via Pixabay

Krabbe by djhixson via Pixabay

Bei den Mambila aus Nigeria waren ebenfalls Krabben und Spinnen gebräuchlich und es wurde kein Unterschied zwischen beiden gemacht. WahrsagerInnen aus Ghana und der Elfenbeinküste verließen sich dagegen auf Mäuse, um die Zukunft einer Person vorherzusagen. Die Maus wird dazu in einen zylinderförmigen Käfig gesperrt und gefüttert. Ihre Hinterlassenschaften werden schließlich durch eine Schildkrötenschale gesiebt, um ein einzigartiges Muster auf dem Boden zu schaffen, das für die Interpretation genutzt wird. In Zentralafrika bei den Zande griff man dagegen eher auf Hühner zurück, deren vorsätzliches Sterben und finale Todesposition die Zukunft vorhersagt. In anderen Teilen Ost- und Südafrikas wurden auch Schafe, Affen, Fledermäuse, Stachelschweine, Hasen, Tauben, Ziegen, Kühe und Hunde eingesetzt.