Das interkulturelle Musikensemble “You Shall Rise“ präsentiert in seinem aktuellen Programm “Our Roots Began in Africa” eine bunte Mischung aus afrikanischen, orientalischen und westlichen Arrangements und nimmt den Zuhörer mit auf eine interkulturelle Spurensuche.

Seit ihrer Gründung in 2015 nehmen insgesamt zwanzig Ensemblemitglieder aus elf Nationen an diesem außergewöhnlichen Musikprojekt teil. Sie bringen dabei ihre musikalischen “Wurzeln” aus ihren Herkunftsländern Ghana, Togo, Kenia, Nigeria, Guinea (Afrika), Syrien, Türkei (Naher Osten), Venezuela (Südamerika) sowie Russland und Deutschland (Europa) mit in die Bühnen-Performance ein.

Herausgekommen ist dabei ein mitreißendes Programm mit viel Rhythmus und eigener Handschrift. Eine Mischung aus Kenia-Pop, Soul, Reggae, Hip-Hop und Modern Jazz, die sich in keine gängige Schublade stecken lässt. Die Vereinten Nationen (UNO) nominierten “You Shall Rise” mit ihrem neuen Bühnenprogramm kürzlich für eine internationale Konzertveranstaltung der UNO vor 20.000 Zuschauern. Wir hatten die Gelegenheit, mit dem Leiter des Ensembles Alexander Thomas über die Ziele und kommenden Projekte zu sprechen.

 

Können Sie in wenigen Worten die Entstehungsgeschichte von „You Shall Rise“ nachzeichnen? Wo und wann beginnt sie und wo stehen Sie heute?

Die Idee zu diesem Projekt entstand Mitte 2015, Ende des Jahres lud ich als Initiator zu einem Projekt-Kickoff ein, womit die damals als Projekt gedachte Initiative offiziell begann.

 

Wie ist der Name des Ensembles entstanden und welche Bedeutung verbirgt sich dahinter?

Eine wörtliche Übersetzung des Namens „You Shall Rise“ ist mehrdeutig, da im Englischen „shall“ sowohl „sollen“, also auch „werden“, bedeuten kann. Frei übersetzt bedeutet der Titel „Du wirst wieder jemand“. Es liegt somit im Auge des Betrachters, eine eigene Interpretation des Namens zu entwickeln.

 

Wie würden Sie Ihren Musikstil beschreiben und welche Genres finden sich in Ihrer Musik wieder?

Unseren Musikstil würde ich mit „Global Music“ umschreiben. Wir möchten mit unserer Musik gemeinsam einen positiven Beitrag zu Toleranz und kultureller Vielfalt in unserer Gesellschaft leisten.

 

Wie oft proben Sie und wie läuft solch eine Probe ab?

Es finden wöchentliche Ensembleproben unter der Leitung von drei Bandcoaches statt. Die Proben laufen dabei recht unterschiedlich ab, je nachdem, welche Inhalte auf dem Programm stehen: Von freier Improvisation – über strukturierte Partitionsarbeit – bis hin zum finalen Feinschliff eines Stückes.

 

Wie gelingt es Ihnen, so viele verschiedene Musiker und Kulturen unter einen Hut zu bringen? Kann man da überhaupt den Vorstellungen und Wünschen jedes einzelnen Musikers gerecht werden?

Der Austausch gelingt über die Musik – eine Sprache, die völkerübergreifend verstanden wird.

 

Wie entsteht bei Ihnen üblicherweise ein neues Lied? Arbeiten alle gemeinsam daran, oder gibt es kleinere Arbeitsgruppen. Wie kann man sich das vorstellen?

Dies ist ebenfalls sehr unterschiedlich. Einerseits arbeiten kleine Gruppen von Ensemblemitgliedern ein grobes Arrangement (Rhythmus, Tonart, Songstruktur, Akkordfolgen) fertig aus, um es den übrigen Ensemblemitgliedern zu präsentieren. Andererseits entstehen auch aus dem Aufgreifen von musikalischen Ideen und der freien Improvisation heraus neue Lieder.

 

„You Shall Rise“ setzt sich zusätzlich auch für eine bessere Integration durch Musik ein. Vom Landesmusikrat NRW wurden Sie aufgrund Ihres Engagements gegenüber Flüchtlingen sogar ausgezeichnet. Welche Erfahrungen sammeln Sie durch die Zusammenarbeit mit Flüchtlingen. Wie reagieren Geflüchtete auf gemeinsames Musizieren?

Der „Flüchtlingsstatus“ einzelner Ensemblemitglieder spielt keine nennenswerte Rolle. Es geht uns vielmehr darum, die musikalischen Fähigkeiten und kulturellen Eigenarten jedes Einzelnen möglichst gewinnbringend in das Ensemble einzubringen.

 

Inwiefern kann Musik Ihrer Meinung nach zum kulturellen Austausch beitragen? Und warum eignet sich gerade Musik so gut dafür?

Musik ist eine Sprache, die weltweit verstanden wird (viel besser als Worte). Das gemeinsame Musizieren hilft ebenfalls dabei, „Brücken“ zwischen Menschen und Kulturen zu bauen, die ohne sie nicht entstehen würden.

 

Wer kann bei Ihnen Mitglied werden? Ist für eine Aufnahme eine spezielle musikalische Ausbildung erforderlich?

Ein formaler Nachweis einer Musikausbildung ist natürlich nicht erforderlich (lacht!). Die professionelle Haltung und die Fähigkeit, in einer Multikulturen Gruppe zurecht zu kommen, muss vorhanden sein. Die meisten Musiker verfügen über reichlich Bühnenerfahrung und können auf 20 – 30 – zum Teil 40 Jahre Erfahrung am eigenen Instrument zurückblicken.

 

Kürzlich wurden Sie von den Vereinten Nationen nominiert, um bei einer internationalen Konzertveranstaltung vor etwa 20.000 Menschen aufzutreten. Wie kam es dazu und wie haben Sie auf dieses einmalige Angebot reagiert?

Der Kontakt kam über das UNO Büro in Brüssel zustande. Die Stadt Bonn als Veranstalter gab uns dann den Zuschlag, auf dem „Tag der Vereinten Nationen“ auftreten zu dürfen. Eine Erfahrung, die ich noch vor einigen Monaten für undenkbar gehalten hätte.

 

Am 28. Januar präsentierten Sie bei einem Benefizkonzert in Meerbusch Ihr neues Bühnenprogramm „Our Roots Began in Africa“. Was zeichnet dieses neue Bühnenprogramm aus?

Im aktuellen Bühnenprogramm “Our Roots Began in Africa“ präsentieren wir eine bunte Mischung aus afrikanischen, orientalischen und westlichen Songs und nehmen den Zuschauer mit auf eine musikalische Spurensuche. Wir präsentieren einen Mix aus Kenia-Pop, Soul, Reggae, Hip-Hop und Modern Jazz, der sich in keine gängige Schublade stecken lässt und beziehen dabei Stellung zum aktuellen Weltgeschehen.

 

Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit am wichtigsten? Was wollen sie mit Ihrer Musik erreichen?

Für mich sind eine musikalische Vielfalt, regelmäßige Probenteilnahme, eine professionelle Haltung zur Musik sowie der Einsatz für die Gruppe besonders wichtig.

Was sind Ihre Pläne und Wünsche für 2017? Welche Projekte stehen auf Ihrer Agenda?

Nach Aufführungen unseres ersten Bühnenprogramms “Our Roots Began in Africa“ befindet wir uns zurzeit in einer Phase der Neuorientierung. Wir möchten unser bisheriges Bühnenprogramm (“Frontalbeschallung“) zugunsten einer musikalischen “Performance“ mit szenischen Elementen weiterentwickeln – unter Einbeziehung traditionell-ethnischer und modern-experimenteller Einflüsse. Wir möchten neue Aufführungsformate ausprobieren d.h. aus der tradierten “Bühne-Zuschauerraum-Denke” ausbrechen und das musikalische Zusammenwirken für den Zuschauer erlebbarer machen. Wir sind daher auf der Suche nach interessierten Kooperationspartnern, um unsere Vision einer 360-Grad Bühnenperformance szenisch-tänzerisch darzustellen und technisch zu verwirklichen.