Der Kenianer Eliud Kipchoge lief beim BMW Berlin Marathon vergangenes Wochenende einen neuen Weltrekord: er rannte die 42,195 Kilometer in nur 2:01:39 Stunden! Er schaffte es, jeden Kilometer unter 3 Minuten zu laufen. Der alte Rekord lag bei 2:02:57 Stunden, den der Kenianer Dennis Kimetto beim Berlin Marathon 2014 aufgestellt hatte – Kipchoge war also ganze 78 Sekunden schneller. Das ist die größte Weltrekord-Verbesserung im Marathon seit 1967. 

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Kipchoge ist nun der schnellste Mensch der Welt über die Marathondistanz. Der 33-jährige feierte in seiner Läufervergangenheit allerdings schon einige Siege: bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Paris/Saint Denis 2003 brach er den Juniorenweltrekord im 5000-Meter-Finale mit 12:52,79 min und gewann damit gegen den Marokkanern El Guerrouj und den Äthiopiern  Bekele, welche zuvor bereits über 1500 m bzw. 10.000 m Weltmeister geworden waren. Dieses Finale galt als das schnellste 5000-Meter-Finale aller Zeiten.

Insgesamt gewann er schon je eine Gold-, Silber- und Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen. Gold 2016 in Rio de Janeiro im Marathonlauf, Silber 2008 in Peking über die 5000m Strecke und Bronze 2004 in Athen ebenfalls über die 5000m. Bei den Weltmeisterschaften erreichte er 2003 bei den 5000m als erstes das Ziel, 2007

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gewann er in Osaka Silber. Bei den Hallenmeisterschaften 2006 in Moskau gewann er erneut die Bronzemedaille über die 5000m und bei den Commonwealth Games 2010 in Neu-Delhi lief er als Zweiter durch die Zielgeraden.

 

Erst seit 2012, als er sich nicht für die Olympischen Spiele qualifizieren konnte, konzentrierte sich Kipchoge auf den Halbmarathon und stellte bei seinem Marathon-Debüt beim Hamburg-Marathon mit 2:05:30h direkt einen Streckenrekord auf. Seitdem erreichte er mehrere Platzierungen auf dem Treppchen sowohl über die Halbmarathon- als auch über die Marathon-Distanz. Er gewann zum Beispiel den Rotterdam-Marathon 2014, und den Chicago- und den London-Marathon 2015 und verbesserte seine Zeiten stetig. Auch den Berlin-Marathon gewann er bereits in den Jahren 2015 und 2017 schon.

Kipchoge gehört wahrscheinlich zu den wenigen Athleten, die von diesem Sport sehr gut leben können. Für den Sieg am Wochenende und den Weltrekord zahlt allein der Veranstalter 120000€, dazu kommen noch weitere Prämien von Sponsoren. Bereits ab Kilometer 25 hatte er all seine Konkurrenten abgehängt – was auch bedeutet, dass er ohne Unterstützung klarkommen musste: keine Konkurrenz, kein Windschatten und keine Tempomacher. Letzteres ist besonders wichtig, weil sie den Athleten dabei helfen, ein gewünschte Wettkampftempo möglichst genau zu laufen.

Kipchoge hatte trotz Weltrekordzeit seine persönliche Bestzeit verpasst – unter

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“Laborbedingungen” lief er bei einem Projekt seines Sponsors Nike bereits 2:00:25 Stunden, rannte er dabei hinter einem Auto und einer Reihe von Tempoläufern. Auch wenn dies weder ein offizielles Rennen, noch ein offizelles Ergebnis war, sagte Kipchoge vor dem Berlin-Marathon selbst, für ihn sei das ein Weltrekord. Trotzdem ließ sich Eliud Kipchoge verdienterweise ausgelassen feiern.

 

Grinsend und klatschend sprintete er über die Zielgeraden. Er riss die Arme in die Luft, ballte seine Hände zu Fäusten und sprang in die Arme einiger Teammitglieder. Kipchoge wusste, dass bei seinem hohen Tempo kaum jemand auf Dauer mithalten kann, weswegen  er genau dieses Szenario trainiert hätte: den “Kipchoge-Weg”, wie er selbst sagt – ein Weltrekordlauf aus eigener Kraft, ganz ohne Hilfe.

In einem Interview mit FOCUS Online erklärt er, dass er während des Marathons nicht danach gedacht habe, dass er alleine sei, sondern nur daran, dass er das Tempo bis zum letzten Kilomenter halten muss. Nach 30 Kilometern, sei er sich sicher gewesen, dass er einen Weltrekord laufen würde. Er ist außerdem zuversichtlich, auf die Zwei-Stunden-Marke zu knacken – man brauche nur ein großartiges Team, gute Schuhe und er müsse einfach klüger trainieren. Stetiges und konsequentes Training, Leidenschaft und Selbstdisziplin seien der Schlüssel zum Erfolg.